w. d., Potsdam

Als letzte der privaten Angler-Vereinigungen Mitteldeutschlands wurde jetzt die Sektion von Potsdam, Straße der Jugend 30, in den staatlichen „Deutschen Anglerverband“ übergeführt. Dieser Verband war im vorigen Jahr (Gesetzblatt 50/1954, S. 492) im Gebiet der Sowjetzone gegründet worden, um die 300 000 Sport- und Berufsangler zu erfassen und ihre traditionellen Verbände zu zerschlagen. In Potsdam klappte die Übernahme durch das „Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport“, dem die Leitung und Geschäftsführung des neuen Verbandes übertragen wurde, nicht, weil die Mitglieder demonstrativ den mehrmals einberufenen Versammlungen ferngeblieben waren. Die erste Durchführungsbestimmung der Übernahme (Gesetzblatt 81/1954, S. 787) sah nämlich in § 4 vor, daß es Pankow auf die Vermögenswerte der privaten Angler-Vereinigungen abgesehen hatte. Die Potsdamer aber wollten ihr beträchtliches Vermögen nicht der SED in den Rachen werfen. Was sie an gemeinsam geschaffenen Werten besaßen, wurde veräußert und mit den zur Verfügung stehenden Geldern zur Anschaffung von Gerät für Mitglieder verwandt. Die Hoffnung, die früheren Mitglieder in den neuen Verband übernehmen zu können, trog ebenfalls. Sie lehnten dankend ab. Das Komitee will nun Kontrolleure einsetzen, die nach Sportanglern ohne staatlich plombierte Angel fahnden sollen. Außer den üblichen Formalitäten darf man in der Sowjetzone nur angeln, wenn man Mitglied des Staatsverbandes ist und einen Ausweis als „Werktätiger Angler“ (?) vorweisen kann.