E. R. S., New York, im Mai

In diesem unternehmungsfreudigen und an neuen industriellen Entwicklungen immer interessierten Lande hat die Ankündigung von der Gründung der Daimler-Benz of North America, Inc. und von der beabsichtigten Errichtung einer Daimler-Benz-Fabrik innerhalb der USA eine ganz erhebliche Resonanz gefunden. In den ersten Kommentaren der großen New Yorker Tagespreis heißt es, daß zwar schon viele ausländische Autoproduzenten ihre Erzeugnisse auf dem amerikanischen Markt abgesetzt haben, daß bisher aber noch niemand von ihnen die Fabrikation hier aufgenommen hat. Der Plan wurde als ein „pioneer project“ in der Automobilindustrie bezeichnet, und wenn man weiß, welche Erinnerungen an die besten Traditionen des Lances sich mit der Erwähnung der „pioneers“, ihres Wagemutes und ihrer Mentalität verbinden, so wird man hierin ein Kompliment für die Männer von Daimler-Benz erblicken müssen ...

Auf einer Pressekonferenz im fashionablen Plaza-Hotel in New York hat Dir. Carl F. Giese von der Daimler-Benz A. G. den Vertretern der amerikanischen Presse und der Auslandspresse Informationen über die Pläne seiner Gesellschaft gegeben. Danach wird hier eine Fabrik gebaut werden, die ihre Arbeiten noch in diesem Jahre aufnehmen ihre Wahrscheinlich wird mit einer jährlichen Produktion von einigen tausend Lastkraftwagen und Autobussen angefangen werden, auch der Bau und Autobussen und Dieselmotoren ist vorgesehen sowie die Zusammensetzung von Teilen. Zur Zeit wird nicht daran gedacht, Personen- und Sportwagen hier zu fabrizieren oder zusammenzusetzen. Dir. Giese bemerkte, daß das Unternehmen sich finanziell in bescheidenen Grenzen halten wird, und daß Effektenemissionen hier im halten zunächst nicht vorgesehen sind. Die amerikanische Gesellschaft, die eine unabhängige Tochtergesellschaft der Daimler-Benz A. G. in Stuttgart ist, wird mit einer Tochtergesellschaft in Kanada zusammenarbeiten. Auf die Frage eines Pressevertreters, ob beabsichtigt Auf von hieraus Exportgeschäfte zu tätigen, antwortete Dir. Giese, daß, wenn man es für vorteilhaft halten wird, Teile hier herzustellen und sie dann nach den Nachbarländern, wie z. B. Kanada oder Mexiko zu exportieren, man das tun wird.

Besonderes Interesse fanden die Ausführungen, die sich auf die Erwägungen bezogen, die zu der amerikanischen Gründung geführt haben. In diesem Zusammenhang verwies Dir. Giese auf die großen Unterschiede, die zwischen der Entwicklung der deutschen und der amerikanischen Autoindustrie bestehen. Benzin habe in Deutschland weder zu so niedrigen Preisen noch in so großen Mengen zur Verfügung gestanden, wie in Amerika, auch sei man nicht reich genug, um ein so ausgezeichnetes Autostraßennetz zu bauen, wie es in den Staaten vorhanden ist. Hierauf habe die deutsche Autoindustrie bei der Konstruktion ihrer Wagen und ihrer Motoren Rücksicht nehmen müssen. In Verbindung hiermit sprach er von den Dieselmotoren, die nicht so viel Kraftstoff verbrauchen, und von den Diesellastkraftwagen, in deren Produktion Daimler-Benz führend ist, und die das Werk in größerem Umfange auch in den USA verkaufen möchte. Schließlich verwies er auf die sehr viel billigeren Materialpreise in Amerika.

Das Interesse der hiesigen Öffentlichkeit an den Plänen von Daimler-Benz ist groß, und man wird die Entwicklung der amerikanischen Tochtergesellschaft, des „famous German Racing Car Maker“, wie die New York Times die Firma nennt, mit Aufmerksamkeit verfolgen.