Ob dies Sprichwort auch für die Beziehungen des Funks zu gewissen Gruppen seiner Hörer gilt? Der Hamburger Rundfunk hat eine für fünf Abende bestimmte Hörspielserie „Prozeßakte Vampir“ von Horst Mönnich (Regie Hans Gertberg) begonnen, das ein Köder sein soll: die „Mäuse“ sind in diesem Falle die Liebhaber von Kriminalserien (laut Hörerforschung: zehn v. H. der Hörer, das wären etwa 600 000 Menschen), die durch die Mönnichsche Fortsetzungsserie dazu verlockt werden sollen, sich ein Bild von den geschichtlichen Zusammenhängen der Jahre 1933 bis 1950 zu machen. Die Hörer wollen eine Kriminalstory – sie wird ihnen geliefert, aber der Autor des Hörspiels, ein Moralist und Zeitkritiker, der sich als neuer Edgar Wallace tarnt, baut als Motor der spannenden Fabel die Weltgeschichte selbst ein, so daß der auf die detektivische Lösung eines „Falles“ erpichte Hörer ganz unversehens zu historischen Einsichten kommt. Der Juwelenschmuck, um den es geht, hängt nämlich auf vertrackte Art mit markanten Ereignissen der Zeit zusammen (der Judenverfolgung, dem Blitzkrieg und der Okkupation in Frankreich, der Devisenüberwachung, den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen), die allesamt nicht nur Hintergrund, sondern entscheidende Mitspieler sind. Die Erfahrung (das heißt hier: die Hörerforschung) wird nun zeigen müssen, ob dies auf fünf Abende (zuletzt am Pfingstsonntag) verteilte Riesenhörspiel seinen Zweck auch erfüllt, vor allem: ob die Hörer auch „durchhalten“. Es könnte nämlich auch der ungünstige Fall eintreten, daß die Kriminal-Fans die politischen Momente nicht mögen, während die Freunde des dichterischen Hörspiels – auch sie sitzen ja vermutlich am Lautsprecher – von der an Agatha Christie orientierten Dramaturgie des Aufbaues: Irreführungen und Überraschungen, falsche Verdächte und unerwartete Aufklärungen – geärgert werden. Dann wäre der Speck vergeblich in die Falle gelegt, und es wäre schade um die Mühe: fünfunddreißig Nächte hat der Regisseur mit seinem großen Aufgebot von Darstellern an der Produktion gearbeitet.

Wir werden sehen:

Donnerstag, 26. Mai, 20.45 Uhr:

Im Baden-Badener Studio inszeniert Peter A. Horn die erste deutsche Fassung eines amerikanischen Fernsehspiels. Es heißt „Jimmy und das Glück“ und handelt von dem alten Autotaxi Dorette, das sich für das Glück seines geliebten Fahrers Jimmy opfert. Unter den Mitspielenden ist auch Bele Bachem.

Pfingstsonntag, 20.00: Aus dem Münchener Gärtnerplatztheater eine Aufführung von Flotows „Martha“ mit Erika Köth und Lorenz Fehenberger in den Hauptrollen. – Dienstag, 31. Mal, 20.45: Aus dem Stuttgarter Studio eine Aufführung von Jacques Devals satirischer Komödie „Towarisch“, deutsch von Curt Goetz, mit Hannsgeorg Laubenthal und Susanne von Alamassy als russisches Emigrantenehepaar.

Wir werden hören:

Donnerstag, 26. Mai, 20 Uhr aus Stuttgart: