Die beiden fusionsträchtigen Unternehmen, die Hüttenwerke Phoenix AG, Duisburg-Ruhrort, und die Rheinische Röhrenwerke AG, Mülheim-Ruhr, legen gemeinsam ihre Abschlüsse per 30. September 1954, Phoenix sogar noch einen Zwischenbericht zum 31. Dezember 1954 vor. Sie gaben auch gemeinsam eine Wirtschaftspressekonferenz zu den aktuellen Fragen der Gesellschaftsentwicklung. Der oHV am 22. Juni von Phoenix und am 23. Juni von Rheinrohr wird vorgeschlagen, den durch einen "Negativ-Test" seitens der Hohen Behörde für sinnvoll und erstrebenswert bezeichneten Zusammenschluß zu genehmigen. Dabei soll Phoenix in Rheinrohr aufgehen, wobei das AK im Verhältnis 1:1 umgetauscht wird. Die Phoenix-Aktionäre erhalten also künftig Rheinrohr-Aktien. Die Fusion geschieht mit Wirkung vom 1. Januar 1955.

Dagegen hat bekanntlich der rund 9,2 Mill. DM-Aktionär Hermann D. Krages- Bremen Einspruch erhoben. Falls keine Einigung vor der HV zustande kommt – wofür nur wenig Chancen seitens der Verwaltung gesehen werden –, wird Krages, wie er den ihn vertretenen Banken aufgetragen hat, die bevorstehenden Beschlüsse anfechten, vermutlich Protest zu Protokoll geben und Anfechtungsklage einreichen, Ähnliches wie bei Rheinstahl, wo Krages die Neuordnung durch seine in der ersten Instanz bereits "haushoch verlorenen" Prozesse nunmehr in der zweiten Instanz weiter verzögert, steht nunmehr auch bei Phoenix/Rheinrohr bevor. Krages hält, wie er den Banken mitteilte, die Fusion mit dem Aktientausch 1:1 für eine Schädigung der Rheinrohr-Aktionäre und eine unverdiente Besserung für Phoenix unter Hinweis darauf, daß, wie er meint, der technische Ausbau von Rheinrohr abgeschlossen, Phoenix aber erst mit großen Investitionen beginnen müßte. Somit hat sich die Argumentation dieses Aktionärs merklich gedreht, nachdem er noch einige Monate vorher ein Gutachten ausarbeiten ließ, in dem er bei der Hohen Behörde die Nicht-Genehmigung der Fusion mit dem Hinweis befürworten ließ, daß dadurch die alliierten Entflechtungsgesetze illusorisch gemacht würden und Rheinrohr eine Machtzusammenballung im Verbotssinne darstellen werde.

Der Vorsitzer des Vorstandes, Fritz-Aurel Goergen, kommentierte die angekündigte Opposition von Krages in dem Sinne, daß die Begründung des Aktionärs "geradezu unverständlich" und sie von allen übrigen Aktionären "sicherlich mit großem Gelächter in der HV quittiert werden würde". Im Übrigen müßte sich der Aktionär Krages darüber klar sein, daß ihm der Versuch, die Neuordnung und die Fortentwicklung von Phoenix-Rheinrohr durch langwierige Prozesse verzögern oder gar verhindern zu wollen, eines Tages eine Schadensersatzklage einbrin- gen werde. "Offenbar will sich der Aktionär Krages immer noch nicht industriell betätigen, sondern mit seinen Papieren Spekulationsgeschäfte machen."

über die Gegenwarts-1age beider Unternehmen wurde von den Vorstandsmitgliedern mitgeteilt, daß Phoenix seit der Währungsreform bis 1953 rund 65 Mill. DM investiert hatte. Am 30. September 1954 belief sich das Investitionsprogramm auf 398 Mill., davon 50 Mill. fertiggestellt, 260 Mill. im Bau und 88 Mill. zur baldigen Ausführung bestimmt. Inzwischen hat sich dieses Programm bis zum 15. März 1955 auf 420 Mill. DM erhöht. Von dem 400-Mill.-Programm sind 176 Mill. aus eigenen Mitteln abgedeckt, 133 Mill. durch Fremdmittel finanziert und rund 90 Mill. noch offen. Phoenix hat bei den Hochöfen 135 Mill., bei Martin-Stahl 25, in den Walzwerken 140, in den Kraftwerken 70 und in Verkehrsanlagen 50 Mill. DM investiert bzw. projektiert.

Rheinrohr nennt ein Investitionsprogramm von 220 Mill. DM, wovon 100 Mill. DM im Laufe dieses und im nächsten Jahr durchgeführt wird. Seit der Währungsreform bis Ende 1954 wurden bei Rheinrohr für rund 155 Mill. DM investiert. Die Zahl der Anlagen konnte von 16 auf 8 bei höherer Kapazität verringert werden.

An Umsatz melden beide Werke folgende Zahlen. Phoenix: 611,7 (687) Mill. DM, mithin im Monatsdurchschnitt rund 51 Mill. im Berichtsjahr 1953/54, in den letzten drei Monaten 1954 erhöhte sich der Umsatz monatlich auf 60,5. Er ist in 1955 weiter gestiegen. Rheinrohr hat 1953/54 541 (602) Mill. DM erreicht, davon 154 (156) Mill. DM Exportanteil. Die Lieferungen von Phoenix an Rheinrohr, die heute noch als Fremdumsätze nach der Fusion aber nicht mehr mit eingerechnet werden, stellen sich auf rund 200 Mill. DM. Das fusionierte Unternehmen wird also angesichts der Geschäftsbelebung in 1954/55 mehr als eine Milliarde DM Umsatz erreichen.

Bei einer Betrachtung des Zahlenwerkes ist festzustellen, daß die Ertragskraft bei Phoenix im vierten Quartal 1954 erstaunlich gestiegen ist. Sie beträgt monatlich rund 20 Mill. DM gegen 8,5 Mill. DM im Durchschnitt 1953/54. Phoenix weist für das Berichtsjahr einen Gewinn von 33,9 Mill. DM aus, gegen 13,7 bzw. 43,3 in den Vorjahren. Davon werden 26,3 Mill. für Sonderabschreibungen und 1,8 Mill. zur Dotierung von Rücklagen verwandt und aus 5,75 Mill. DM Reingewinn eine von 4 auf 5 v. H. erhöhte Dividende auf 115 Mill. DM AK verteilt. "Dieser Dividendensatz erscheint der Verwaltung noch nicht als eine ausreichende AK-Verzinsung. Man werde für 1955 höher gehen", erklärte Direktor Goergen.