Schwarz sind die Bretter verkleidet, die Harry Kramer in der Berliner Galerie Springer zur Bühne seines mechanischen Theaters zurechtgezimmert hat. Auch sie wollen eine Welt bedeuten – eine Welt und eine Zeit, die aus den Fugen geraten sind. Dies Theater ist mehr Richtstätte als Ort komfortabler Erbauung. Die zwanzig Leute, die Abend für Abend die provisorisch hingestellten harten Stühle drücken – ein auffallend junges, intellektuell waches Publikum –, sie werden zu Beisitzern eines Prozesses, der schonungslos mit all unseren Illusionen, wie herrlich weit wir es doch gebracht, aufräumt.

Gewiß, was die Mechanisierung unseres Daseins anbetrifft, da ist uns so leicht kein Ding unmöglich. Kramers Übermarionetten, immer auf den Menschen bezogen, dessen Gestalt er aufs äußerste abstrahiert, vollbringen wahre Wunderdinge: Köpfe lösen sich vom Körper und Sausen durch die Luft, eine Hand, aus einem Gummischlauch hervorwachsend, sucht vergeblich Halt im form- und gestaltlosen Raum, Figuren auf Rollen oder auf Kufen gleiten gespenstisch aneinander vorüber, Robotertritte geraten ins Straucheln und reißen den massigen Rumpf zu Boden, Leiber rotieren ununterbrochen um sich selbst – es ist eine unheimliche Phantasmagorie, durch fortwährenden Beleuchtungswechsel aller Greifbarkeit entzogen, die Kramer da in 13 Szenen heraufbeschwört.

Um so unheimlicher, da er einfachste Materialien verwendet: Holz und Draht, Spiralen und Federn, Leichtmetalle und Stoffe. Sie werden lebendig, werden zu Organismen, die sich nach eigenen Gesetzen bewegen und doch eine Fülle bestürzender Assoziationen zu den Erfahrungen unseres Alltags wachrufen. Vor allem immer wieder die der Kontaktlosigkeit, der nicht mehr herstellbaren Beziehung zum Du, zum Mitmenschen – ja, nicht einmal mehr zu sich selbst: die Glieder machen sich selbständig und führen ein voneinander unabhängiges Leben. Ob sie ihre Angst hinausschreien, um Hilfe signalisieren, achtlos auf der Straße aneinander vorbeigehen, sich in die abgrundtiefe Melancholie eines Blues verlieren oder in den Taumel eines hektischen Boogie stürzen – sie sind grenzenlos allein und können sich dem anderen nicht mehr verständlich machen. Zumal da ihnen das Wort versagt ist. Ihre Stimmen sind zu keifendem Geschwätz verzerrt, zu breitem Lallen ausgewalzt. Auf unaufhörlich changierende Rhythmen gesetzt, mit Melodiefetzen exponierter Lagen gemixt, durch exotische Instrumente irreale Klangphänomene evozierend:

Wilfried Schröpfers Geräuschmusik gibt das vollendete akustische Gegenbild dieser technisch perfektionierten Welt ohne Beziehungsgrundlage. Mit Hilfe der Elektroakustik isoliert und kombiniert er Klangelemente, deren makabrer Aggressivität sich weder die Figuren auf der Szene noch die davorsitzenden Zuschauer entziehen können. Kgl.