In diesem Jahre wurde in Rom ein neues deutsches Kulturinstitut eröffnet, die Biblioteca Germanica. – Es gibt in Rom bereits eine Reihe deutscher Institute, das Archäologische und das Historische Institut, das Institut der Görres-Gesellschaft, die Biblioteca Hertziana. Sie dienen der wissenschaftlichen Forschung und haben sich seit langem Ruf und Ansehen in Fachkreisen erworben. Was es in Rom bisher noch nicht gab, war ein Zentrum der deutschen Kultur als Ganzes.

Die Biblioteca Germanica, die vom deutschen Auswärtigen Amt finanziert wird, wendet sich an alle an deutscher Kultur Interessierten in Rom, ganz gleich, welcher Bildungsschicht oder Altersstufe sie angehören, welcher wissenschaftlichen Disziplin ihr Interesse im einzelnen gilt. Vor allem die Italiener sollen sich hier mit deutschen Problemen vertraut machen können.

Noch sind die Bestände der Bibliothek nicht groß: rund 8000 Bände, von denen bisher 5000 aufgestellt sind. Man will bis zum Anfang der neuen „Kultursaison“ in Rom im Herbst alle aufgestellt haben. Dieser Buchbestand ist natürlich nicht organisch gewachsen. Er enthält vielmehr die noch vorhandenen Bestände der Bibliothek des ehemaligen Deutschen Künstlervereins in Rom und die Bestände der deutschen Buchausstellung in Rom und Mailand aus dem Jahre 1954.

Die Bibliothek des ehemaligen Deutschen Künstlervereins in Rom wurde bereits 1829 gegründet, und zwar auf Grund privater Initiative. Sie war zuerst im Hause des damaligen preußischen Geschäftsträgers Bunsen aufgestellt. Ihre Erweiterung und Vervollständigung geschah ausschließlich durch private Stiftungen. Die bewußte Anknüpfung an die Tradition, gleichlaufend den Bestrebungen des Deutschen Künstlervereins, kommt in ihrem Aufbau deutlich zum Ausdruck.

Man will bei den Ergänzungen und Neuanschaffungen die besonderen Wünsche der italienischen Leserschaft berücksichtigen, und es ist schon jetzt interessant festzustellen, daß diese sich durchaus nicht etwa auf die Romanliteratur beschränken, im Gegenteil. Die Frage nach dem deutschen Fachbuch, sei es auf dem Gebiet der Medizin, Jura, Volkswirtschaft, Technik, sei es auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, ist besonders bei den jüngeren Lesern groß. Daß das Fachgebiet „Theologie“ in einer Stadt wie Rom eine besondere Beachtung findet, braucht kaum der Erwähnung.

Der von der deutschen Botschaft beauftragte Leiter der neuen Biblioteca Germanica ist Dr. Reinhard Raffalt. Er wird in seiner Bibliothek Vorträge, Filmvorführungen, Musikveranstaltungen, Gespräche und Diskussionen veranstalten. Eröffnet wurde die Biblioteca Germanica mit der Wiedergabe einer Gelegenheitskomposition Händels, der Ode zu Ehren der Heiligen Cäcilia, 1739. Ende März hielt der Münchner Kunstwissenschaftler Dr. Carl Lamb einen Vortrag über die Würzburger Tiepolo-Fresken. Eine Ausstellung moderner deutscher Gemmen will besonders auf den Geschmack der Italiener eingehen. Aufführungen von Serenaden und Kammeropern, von italienischen Komponisten für deutsche Höfe geschrieben, sind geplant. Im nächsten Winter soll ein sogenanntes „Mittwochsgespräch“ durchgeführt werden, und zwar über ein durchgehendes, Deutschland wie Italien in gleicher Weise interessierendes, historisches Thema.

Die Biblioteca Germanica, die mitten im Herzen Roms liegt –, sie ist im 2. Stock des schönen alten Palazzo Misciatelli an der Piazza Venezia untergebracht –, ist das erste deutsche Kulturinstitut im Ausland dieser Art. Die Eröffnung solcher „Deutschland-Häuser“ (denn um Institute ähnlich dem „Amerika-Haus“ und der englischen „Brücke“ handelt es sich ja eigentlich) ist in New York, London und Paris geplant. Wilhelm Jacobs