Fast der gesamte Nahe Osten befindet sich heute in einem Gärungsprozeß, in einem Zwischenstadium seiner Jahrtausende alten Geschichte. Vielleicht vermag nichts besser als die Lektüre zweier Bücher Umfang und Bedeutung dieser Wandlungen aufzuhellen:

Prof. Dr. W. Freiherr v.Soden: Herrscher im alten Orient (Aus der Sammlung „Verständliche Wissenschaft“, Springer-Verlag, Göttingen-Berlin-Heidelberg, mit 42 Abbildungen und einem Namensregister, 152 S., Leinen, 7,80 DM).

Das Bändchen stützt sich auf literarische Quellen (die fast ausschließlich in Keilschrift in sumerischer und semitisch-akkadischer Sprache geschrieben sind), auf Inschriften, Rechtsurkunden und vor allem auf Briefe. Gerade die Briefe bestimmen die Auswahl derjenigen Herrscher, über deren Persönlichkeiten ergiebiges Quellenmaterial vorhanden ist. Liest man diese Porträts jener frühen Könige, so zeigt sich, daß ihre Gedanken keineswegs nur von Eroberungskriegen und üppigen Hoffesten beherrscht waren. Das schematische Bild vom altorientalischen Königtum löst sich in zahlreiche Eigentümlichkeiten der einzelnen Herrscher und Reidie (von denen hier die Rede ist: Assyrien und Babylonien) auf. Und wir erkennen, daß jede historische Typisierung die Fähigkeit verdirbt, aus der Vergangenheit zu lernen und die Gegenwart zu begreifen. – Über das Heute berichtet:

Hans Röhrig: Die arabische Welt (in der Sammlung Dalp Taschenbücher, Leo Lehnen Verlag, München, 144 Seiten, 1 Faltkarte, 2,80 DM).

Die arabische Welt ist einer der zentralen Brennpunkte des internationalen Interesses. Reisende Journalisten und Politiker werden diese kurze, gute Information begrüßen. Religion, Schrift und Sprache, Volkstum und Wirtschaft und schließlich die geschichtlichen und derzeitigen politischen Beziehungen der verschiedenen arabischen Staaten zueinander werden knapp dargeboten. Ein Literaturverzeichnis und Register machen es für die alltäglichen Ansprüche zu einem Handbuch. Hinzu kommen eigene Reiseeindrücke des Verfassers, der mit einer konzentrierten Beobachtungsgabe für das Eigentümliche gerade jene Fakten aufspürt, die der altüberlieferten Kultur und der modernen Lebensweise gemeinsam entsprechen. e. n.