Wiedervereinigung: Über einen neuen westlichen Plan zur „Wiedervereinigung in Sicherheit“ berichten amerikanische Nachrichtenagenturen aus Washington. Der Plan enthält das Angebot, ein von den Russen geräumtes Mitteldeutschland zu entmilitarisieren und die Truppen beiderseits des Eisernen Vorhangs schrittweise zu verringern. Außerdem sollen die westlichen Großmächte der Sowjetunion „im Falle eines deutschen Angriffs“ automatisch Hilfe leisten. All dies aber nur als Gegenleistung gegen einen russischen Rückzug aus der Ostzone. Der Plan soll Molotow auf der Außenministerkonferenz in Genf vorgelegt werden.

*

Saar: Als einen Versuch Adenauers, das Saarstatut zu retten, deutet man in Saarbrücken die Erklärung des Deutschland Union Dienstes (des Organs der Bonner CDU), daß „die Entscheidung über das Saarstatut keine Entscheidung für oder gegen den derzeitigen Ministerpräsidenten Hoffmann sei“. Amtliche französische Kreise begrüßen die Erklärung. Ebenso die Anhänger Hoffmanns. Hoffmanns Organ, die „Saarländische Volkszeitung“, nannte die Erklärung „die empfindlichste Ohrfeige“ für die CDU/Saar und ihren Vorsitzenden Dr. Ney. Die Statutgegner erklären Adenauers Schritt mit außenpolitischen Rücksichten, ob er das Abstimmungsergebnis beeinflussen werde, lasse sich noch nicht übersehen. Eine Gallup-Untersuchung des Bielefelder Emnid-Instituts hat ergeben, daß zur Zeit 70 v. H. aller Saarländer das europäische Statut ablehnen.

*

Palästina: Washington möchte den sieben Jahre alten, ständig von blutigen Grenzzwischenfällen gestörten Waffenstillstand zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn durch einen Frieden ersetzen. Außenminister Dulles bietet eine amerikanische Garantie der jetzigen Grenzen an und verspricht finanzielle Hilfe bei der Lösung des Problems der 900 000 arabischen Flüchtlinge. London begrüßt die amerikanische Initiative und verspricht sie zu unterstützen. Die arabischen Staaten wollen jedoch die jetzigen, durch den Krieg zustande, gekommenen Grenzen nicht anerkennen, sondern nur die für sie weit günstigere im Jahre 1947 von der UNO vorgeschlagenen Vorkriegsgrenze.

*

Marokko: Blutige Vergeltungsmaßnahmen, welche die Zahl der Todesopfer auf rund 2000 ansteigen ließen, die Einberufung von 60 000 Reservisten (zur Verstärkung der bereits nach Nordafrika verlegten französischen NATO-Division) und Ministerpräsident Faures Verhandlungen mit den marokkanischen Nationalisten in Aix-les-Bains kennzeichnen die jüngste Entwicklung in Marokko. Die Verhandlungen in Aix-les-Bains bewegen sich auf der Linie: Absetzung Ben Arafas und Einsetzung eines Regentschafts- oder Thronrates zur Vorbereitung der Selbstverwaltung. Diese Zugeständnisse an die Marokkaner wollte Generalresident Grandval schon vor dem 20. August, an dem die Unruhen ausbrachen, bekanntgeben. Die französische Rechte, mit Außenminister Pinay und Verteidigungsminister Koenig an der Spitze, ist nicht bereit, dem Grandvalschen Programm zuzustimmen und verlangt kategorisch die Abberufung Grandvals. Mehrere Minister der Rechten haben mit ihrer Demission gedroht.