Mit Entsetzen blickt die ganze Welt nach Marokko, wo dem grauenhaften Massaker der Berber und Araber nun die Massenvergeltungsaktionen der französischen Armee folgen. Der Block der siebzehn afrikanisch-asiatischen Länder in den Vereinten Nationen ersuchte den Generalsekretär, eine außerordentliche Sitzung des Sicherheitsrates einzuberufen. Iraks Premier Nuri es-Said erbat das Einschreiten der Großmächte und rief die Arabische Liga zusammen. Indonesien forderte die Staaten der Colombo-Konferenz – Indien, Burma, Pakistan und Ceylon – zu einer Demarche bei der französischen Regierung auf. Das burmesische Parlament verurteilte einmütig „das imperialistische System“ in Marokko und Algerien. Ägyptens Premier Nasser erklärte, der Einsatz von NATO-Waffen und Truppen sei ein „feindlicher Akt“ gegen die arabische Welt. – Eine Zusammenstellung französischer Berichte schildert nachstehend den Verlauf der blutigen Ereignisse in Nordafrika.

Paris Match, 22. August:

Der 20. August, der zweite Jahrestag der Absetzung des alten Sultans, hat sich durch Massaker und Terror in den Kalender der Geschichte eingegraben. Es sind die kleinen Städte des Bled – des Hinterlandes –, die sonst am ruhigsten und daher am schlechtesten geschützt sind, welche die Berberstämme in blutige Schlachtfelder verwandelt haben. In einigen Minuten wurde die friedliche Stadt Qued Zern von fanatisierten Reitern eingenommen und die europäische Bevölkerung hingeschlachtet.

„Ich habe die Ebene sich in Bewegung setzen und im Sturm die Stadt nehmen sehen“, hat ein Überlebender der Morde von Qued Zem erklärt. Gegen zehntausend bewaffnete Leute stand ein Dutzend Gendarmen. Dreißig Europäer und dreißig Israeliten, die sich nicht rechtzeitig in das Gebäude der Zivilverwaltung flüchten konnten, wurden massakriert. Eine Frau, die sich in ihrem Hause verbarrikadiert hatte, verteidigte ihre drei Kinder mit dem Gewehr, bis alle zusammen starben. Man fand ihre Leichname in Stücke gerissen. Eine andere Mutter wurde erwürgt und ihr acht Tage altes Kind in zwei Stücke geschnitten.

Paris-presse, 22. August:

Während des ganzen Freitag fand der Straßenkampf in der Medina von Casablanca keine Unterbrechung. Organisationen wie das „Schwarze Kreuz“ oder die „Schwarze Hand“ lassen die Marokkaner hinter einem Schutzschild von Frauen und Kindern durch die Straßen marschieren und den Namen des früheren Sultans rufen...

Paris-presse, 23. August: