Du und deine Welt“ – dies ist eine Ausstellung der Gegensätze zwischen Gewolltem und Gewordenem. Nach den Worten von Frau Senator Dr. Kiep-Altenloh sollte es in den Hamburger Ausstellungshallen „Planten un Blomen“ eine Schau werden, die an die Tradition früherer hauswirtschaftlicher Ausstellungen anknüpft: Frauen sollten auch jetzt die Ausstellungsstücke selber auswählen und zeigen, wie sie heute ihre Welt sehen, wie sie arbeiten, ihr Leben gestalten wollen. Bis auf einige graphische Darstellungen über die Arbeit der Frauen-Organisationen, die bescheiden, fast unauffällig gleich am Eingang stehen, ist aber von dieser Absicht – eine Schau von Frauen für Frauen – nicht viel geworden.

Entstanden ist eine Ansammlung von Schaufensterfilialen der Hamburger Ladengeschäfte und auswärtiger Fabriken. Von der Hausfrau ist selten die Rede. Man sieht Fernsehapparate, Pelzmäntel, Bücher und Atlanten, photographische Artikel, Ladeneinrichtungen, Bestrahlungsapparate, Schmuck, Gemälde, Uhren, Vitrinen und vieles mehr. Die Dinge, die direkt etwas mit dem Haushalt zusammenhängen, in erster Linie Möbel, sind zum Teil altmodisch und wenig geschmackvoll und sicher nicht von den dazu berufenen Frauen ausgesucht worden. Es scheint vielmehr, als ob die aufrichtigen Bemühungen der Frauen einem großen Geschäftsrummel zum Opfer gefallen sind.

Ich bin Junggeselle und koche viel. Ich will auf einer Schau für die Frau keinen Fernsehapparat kaufen, sondern ein neues Kartoffelschälsystem entdecken. Der auf der Austeilung gezeigte Apparat gefiel mir, war nur zu teuer. Ergiebig Kaffee zu Kochen oder Rostflecke zu entfernen, interessiert mich brennend. Und wie kann der Laie die ausgestellten Waschmaschinen beurteilen? Hier hätten sich die Frauenverbände einschalten und neben die angebotenen Küchengeräte ihre Beurteilung aus ihrer praktischen Erfahrung legen sollen. Damit wäre der Hausfrau gedient. Verkauft werden kann dann später im Laden.

Es sollte nicht so sein, daß man nicht wagt, an einem Stand stehenzubleiben, weil man befürchten muß, gleich von einem jungen Mädchen oder einem jungen Mann mit Verkäuferaugen angesehen zu werden.

Aber wieder zu den erwähnten Gegensätzen: In der Halle A zeigt die staatliche Meisterschule für Mode von Hamburg eine Modenschau, die nicht nur dem Titel nach aus dem Rahmen fällt. Sie verdient, daß man sie preist. Fast ganz unbemerkt wird eine Lektion in Stoffkunde erteilt, die man sicher später gut bei einem Textilkauf verwenden kann. Da wird unter anderem die übliche Küchenkleidung aus Kattun, dunkelblau oder häßlich-blumig bedruckt verdonnert, und nach diesem Gewitter segeln dann lind und freundlich die Küchenfeen von morgen über den Laufsteg: in sehr hübschen, hellen, zum großen Teil gestreiften Baumwollkleidern. Keine 20 Meter weiter dreht sich aber an einem Verkaufsstand ein Fräulein in eben dem verdonnerten kakeligen Küchenkittel im Kreise und preist ihn als das neueste auf dem Gebiet der Küchenkleidung an.

Ausgezeichnet wiederum war die Idee des Kindergartens. Geschickt war er am Eingang aufgebaut, damit die ankommenden Mütter ihre Kinder gleich abgeben konnten. Sie wurden liebevollsachlich nett aufgenommen und bekamen Spielzeug, das vorbildlich war. Dies alles gefiel den kleinen Gästen so gut, daß sie sich durch nichts stören ließen. Man konnte sie hinter Glaswänden beobachten.

Die Modenschau, der Kindergarten, dazu einige kleine interessante Stände sind nun freilich eine etwas magere Beute, bei soviel gutem Willen. Vielleicht lernt man etwas aus den gemachten Fehlern und bringt uns im nächsten Jahr eine echte Schau von der Frau für die Frau. Werner Graser