In den vergangenen Wochen haben sich die Programme des Deutschen Fernsehens eine geradezu beängstigende Niveausenkung gefallen lassen müssen – durch Schuld der Etatverteiler, durch Schuld der Feriensehnsucht? Einerlei – den Nachteil haben die Besitzer von Geräten, die für ihre 5 DM mit alten Filmen und läppischen Kinkerlitzchen abgespeist wurden. Nur eine Ausnahme gab es: Das Fernsehen des Süddeutschen Rundfunks hat das heikle Problem dieEingliederung entlassener Strafgefangener in den normalen industriellen Arbeitsprozeß angepackt. Die Autoren Dieter Raabe und Hans Huber und der Regisseur Martin Balser hatten es gewagt, die zwei grundverschiedenen Elemente der Fernsehform, den direkten Bericht und das (gestellte) „Spiel“, miteinander abwechseln zu lassen. Man sah und hörte, wie Männer, die Häftlinge auf die Freiheit vorzubereiten haben – ein Gefängnisgeistlicher, ein Fürsorgebeamter, ein freiwilliger Fürsorger, ein Referent vom Landesarbeitsamt, der Personalchef eines Industriebetriebs –, Auskunft über Methoden und Erfolge ihrer Arbeit gaben. Und man sah, in dazwischengeschnittenen Bildern, wie ein Gestrauchelter, der Ladenkassendieb Max Naumann, einer für Unzählige, von dem überaus „echt“ wirkenden Schauspieler Peter Schütte dargestellt, sich nach der Entlassung um einen Arbeitsplatz bemüht. Formal vermochte dieses kühne Nebeneinander von Tagesschau- und Spieltechnik durchaus zu überzeugen; man wird den in Stuttgart gezeigten Weg auch anderswo mit Nutzen verfolgen können. Inhaltlich allerdings ergab sich diesmal noch eine gewisse Diskrepanz: die interviewten Betreuer äußerten sich durchweg recht optimistisch, so daß der Zuschauer den Eindruck erhielt, die Versager seien eigentlich verschwindende Ausnahmen in einem sonst gut funktionierenden Prozeß; Max Naumann dagegen, als Repräsentant einer deklassierten Schicht vorgestellt, wurde in allen Personalbüros abgewiesen und lief, wie das Schlußbild zeigte, ernstlich Gefahr, endgültig zu den Asozialen abzugleiten. Was ist nun Regel, was Ausnahme? Das hätte der Zuschauer deutlicher erfahren müssen.

Wir werden sehen:

Sonntag, 4. September, 20.30 Uhr:

Im Stuttgarter Studio inszeniert Franz Peter Wirth die Fernsehfassung eines bedeutenden modernen amerikanischen Dramas: Arthur Millers „Alle meine Söhne“.

Donnerstag, 1. September, 20.20 Uhr: Der zweite Teil von Max Rehbeins politisch aktueller Reisereportage „Es Ist kein Friede am Südchinameer“ (mit Aufnahmen aus Formosa und Hongkong).

Wir werden hören:

Donnerstag, 1. September, 22.30 Uhr aus München: