s.n., Winsen

Von 1926 bis 1944 hat die Winsener Mittelschule, die ihren Namen nach dem „größten Sohn“ der kleinen Stadt, Johann Peter Eckermann, trägt, in der Zeit der Heideblüte einen Heidekranz nach Weimar für das Grab Eckermanns geschickt. In diesen Tagen wurde erstmals nach dem Krieg, also nach zehnjähriger Pause, dieser alte Brauch wieder aufgegriffen. Aber ehe der von Schülerinnen sorgfältig gebundene Kranz die Luhestadt per Post verließ, erkundigte sich der Rektor erstmals in Weimar, ob man auch dort gewillt sei, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Weimar war durchaus bereit. In einem Schreiben begrüßt Schuldirektor Hieber von der Theodor-Neubauer-Schule die Absicht der Winsener Mittelschule und versichert, sie „bei der Erhaltung der wohlgesinnten Tradition zu unterstützen“. Aber bei dem Kranz allein will man es heute in Weimar nicht mehr bewenden lassen. Schuldirektor Hieber wünscht auch „Gedankenaustausch der Lehrer und Schüler“ von Weimar, und Winsen und ist bereit, außer dem Kranz auch eine Schülerdelegation zu empfangen. „Unkosten“, so heißt es in dem Schreiben, „würden für die Schüler nicht erwachsen.“

Rektor Merker in Winsen ist ein vorsichtiger Mann. Er dankte freundlich für die gute Absicht, den Kranz an Eckermanns Grab niederzulegen und ging auf die anderen Wünsche seines Weimarer Kollegen nicht ein. „Man weiß nicht, ob das nicht alles nur für Propaganda ausgewertet wird“, ist seine Meinung. Und damit wird er wohl recht haben.