Der Protest unserer Hausfrauen gegen die Höhe der Schweinefleischpreise hat nun eine recht massive Unterstützung erfahren: jetzt haben auch die Landwirte in das den Hausfrauen bisher vorbehaltene Protesthorn gestoßen. Der Verband des niedersächsischen Landvolkes ritt eine scharfe Attacke gegen die Metzgerspannen und stellte fest: „Es kann kein Zweifel darüber sein, daß die Schweinefleisch-Kleinverkaufspreise den gesunkenen Schweinepreisen nicht in dem entsprechenden Ausmaß gefolgt sind.“ Verbandsexperten haben ausgerechnet, daß im ersten Halbjahr 1955 eine Million Schweine – also 20 v. H. – mehr aus der Inlanderzeugung gewerblich geschlachtet wurden als in der Vergleichszeit des Vorjahres, obwohl die Landwirtschaft dem Verlangen der Verbraucher nach weniger fetter Ausmast Rechnung getragen habe.

Die Landwirtschaft, so behaupten die niedersächsischen Bauern, hat für diese Mehrleistung nicht einen Pfennig zusätzlich erhalten, vielmehr seien die Erlöse gegenüber der Vergleichszeit 1954 sogar um 1,8 v. H. geringer gewesen. Dieser Prozentsatz macht rund 27 Mill. DM aus. Da aber die Verbraucher in der gleichen Zeit mindestens 76 Millionen DM mehr für Schweinefleisch angelegt haben, müßten mindestens 100 Mill. DM in den Spannen hängengeblieben sein, die sich zwischen Erzeugung und Verbrauch befinden. Wenn diese Rechnung der Landwirte stimmt, kann unseren Hausfrauen wirklich nur der Rat gegeben werden, ihrem bisherigen Protest einen Käuferinnenstreik folgen zu lassen... ww.