Die bisherigen Maßnahmen des amerikanischen FederalReserve Systems haben eine Dämpfung der Inlandskonjunktur anscheinend nur ungenügend erreicht. Neue Maßnahmen stehen bevor: So hat die Bank of Atlanta ihren Diskontsatz noch einmal um 1/4 auf 2 1/4 v. H. heraufgesetzt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich die übrigen Banken dieser Erhöhung der Diskontrate anschließen werden. Aber man braucht einen Ausgleich für die infolge der erschwerten Kreditmöglichkeiten eventuell sinkenden Absatzmöglichkeiten auf dem Inlandsmarkt, denn trotz der glänzenden wirtschaftlichen Situation gab es in den USA im Juni noch immer nahezu 2,7 Mill. Arbeitslose. Durch Diskonterhöhungen hervorgerufene Produktionsdrosselungen würden ihre Zahl zweifellos vermehren. Daher wird versucht, durch eine Steigerung der Ausfuhr den Ausgleich für einen sinkenden Inlandsabsatz zu schaffen.

Getreide: Für Getreide entwickelten sich die Preise an den Börsen der USA recht uneinheitlich. Die Weizennotierungen neigten weiterhin zur Schwäche, da die Nachfrage des Handels und der Mühlen nur lustlos war. Demgegenüber stiegen die Notierungen für Roggen, Hafer und Gerste leicht an. Ursächlich hierfür waren vor allem die Meldungen über die Witterung in den Anbaugebieten und die vom Handel vorgenommenen Rückkäufe – eine Reaktion auf die weitgehenden Abschwächungen der Notierungen in den vorangegangenen Wochen. Für Mais machte sich dagegen – trotz einiger Exportlieferungen – die Preissenkung durch die Commodity Credit Corp. als preisdrückender Faktor bemerkbar. – Am Liverpooler Weizenterminmarkt hielt die lustlose Stimmung an. Umsätze kamen nur vereinzelt zustande.

Kupfer: Am New Yorker und Londoner Kupfermarkt setzte sich die Aufwärtsbewegung der Preise fort. Nachdem die Kennecott Copper Corporation ihren Verkaufspreis für Elektrolytkupfer ebenfalls auf 40 c/lb heraufgesetzt und sich damit dem Vorgehen der übrigen Produzenten angepaßt hat, erhöhte die Anaconda Company ihren Abgabepreis für Elektrolytkupfer an inländische Verarbeiter auf Vorschlag des chilenischen Bergbauministeriums nochmals um 3 Cent auf 43 c/lb. Die Phelps Dodge Corporation hat sich inzwischen dieser Maßnahme angeschlossen. Eine Entscheidung der Kennecott Copper Corporation steht noch aus. – Am Londoner Kupfermarkt wurde am 26. August mit 383,73 £/lgt ein neuer Rekordpreis bezahlt. Die starke statistische Position von Kupfer war eines der wesentlichsten Momente für die gegenwärtige Hausse-Tendenz. Andererseitsscheint es, daß die Nachfrage in Großbritannien im Abnehmen begriffen ist, da sich die letzten Kreditbeschränkungen auf den Absatz bestimmter Versorgungsgüter auszuwirken beginnen.

Zinn: Die Londoner Notierungen für Zinn haben sich im Laufe der Berichtsperiode gegenüber der Vorwoche leicht ermäßigt, da eine nur geringe Nachfrage vorlag. Die Händler waren im allgemeinen nicht bereit, das überschüssige Angebot, das infolge der verschärften britischen Kreditbedingungen an den Markt gelangte, aufzunehmen. Die Streikbewegung in Singapur hat auf die Preisentwicklung kaum Einfluß ausüben können; die Zinnverschiffungen liefen ungestört weiter.

Blei und Zink; Für beide Waren sind die Londoner Notierungen leicht gestiegen. An Zink zeigten in London besonders die Galvanisierungsanstalten Interesse. Die Geschäftstätigkeit verlief jedoch im allgemeinen ruhig, und es darf angenommen werden, daß die stetige Tendenz für Zink zu einem großen Teil dem Anstieg der Kupferpreise zuzuschreiben ist. Für Blei zeigte sich in London ein besonderes Interesse nordamerikanischer Importeure. Die Versorgungslage ist angespannt.

Wolle: Am Londoner und New Yorker Wollmarkt bewegte sich das Geschäft bis zum Wochenschluß wiederum in ruhigen Bahnen. Das Preisniveau war jedoch stetig und zog gegen Ende der Woche infolge einiger Deckungskäufe, die wohl gegen die Möglichkeit höherer als ursprünglich geschätzter Erlöse zu Beginn der australischen Wollsaison vorgenommen wurden, wieder etwas an. Die Bradforder Notierungen blieben konstant. Größere Käufe für den späteren Bedarf wurden nicht getätigt. jedoch erteilten die Spinnereien kleinere Aufträge für kurzfristige Lieferung. Die Umsätze waren befriedigend. Daher nahmen die Vorräte in Merino-Kammzügen ab. Bei Kreuzzuchten waren Preiskonzessionen notwendig.

Baumwolle: Der New Yorker Durchschnittspreis sank während der Berichtswoche von 34,64 auf 34,52 c/lb, da – besonders an den Locomärkten in den Erzeugergebieten – ein verstärktes Angebot auftrat. Das Kaufinteresse des Handels war jedoch nur begrenzt, weil sich die Preise der Beleihungsbasis nähern und der Zeitpunkt des starken Angebotsdrucks der neuen Ernte bevorsteht. In New York war das Exportgeschäft sehr geringfügig. Trotz der Veröffentlichung der US-Baumwollverkaufspolitik ist bisher noch keine größere Kaufwelle seitens der britischen, französischen und westdeutschen Baumwoll-Interessenten zu verspüren. Der Grund dafür wird vor allem darin zu suchen sein, daß das US-Landwirtschaftsministerium bisher weder spezifiziert hat, um welche Stapellängen und Qualitäten es sich bei den geplanten Ausfuhrmengen handeln wird, noch eine eindeutige Erklärung abgab, ob die Baumwolle nur gegen Dollar und nicht gegen Auslandswährungen verkauft wird.