-ker Cuxendorf, Anfang September

Wenn sich in diesen Septembertagen auf der neuen Ausweichstelle des Hindenburgdammes die Bäderschnellzüge begegnen, dann ist der von Westerland kommende voll braungebrannter dankbarer Nordseefreunde, und der nach Westerland strebende ist voll blasser Skeptiker, die es nicht glauben wollen, daß sie etwas erleben werden, was es nur an der deutschen See abzuholen gibt.

Daß die See ein Wärmespeicher ist, auf den man sich verlassen kann, weiß man schon seit dem Altertum; schließlich waren Pästum und Ostia ja die antiken Vorläufer von Norderney und Travemünde. Und an den norddeutschen Küsten liegen die Wassertemperaturen sogar über der Luftwärme, wenn der Sommer nur lang und sonnig genug war.

Es gibt schon viele, doch immer noch nicht genug, die das wissen. Wenn die Urlaubslisten im Mai und Juni die letzten Eintragungen bekommen, dann werden immer erneut jene angestaunt, die sich fast bescheiden, aber seltsam vergnügt lächelnd, ans Ende der Liste klemmen und so leise wie möglich sagen: „Ich gehe erst im September in Urlaub, weil da die Zuschläge wegfallen. Wir nehmen halt den Herbst in Kauf.“

Die Heuchler! Sie wissen genau, daß sie belohnt werden. Der September ist der schönste Monat an der See, einerlei, ob an der Nord- oder an der Ostsee. Das wissen alle Kenner. Zugegeben, die Aussichten, daß es mal regnet, sind nicht kleiner als in anderen Monaten, aber auch nicht größer als im Sommer. Das Entscheidende bei dieser Wahl aber ist die absolute Sicherheit, daß man ein vorgewärmtes Badewasser geliefert bekommt, das bisher noch jeden Ungläubigen verblüffte. Die See kühlt sich nur ganz langsam ab.

Ob das nun Borkum ist oder List auf Sylt, das sind die äußersten Ecken der Nordsee, ob es Grömitz oder Travemünde ist, sie liegen alle am gleichen Speicher und können getrost in jeden Prospekt setzen: Die Nachsaison in unserem Bad ist vollkommen wärmesicher, hier hat noch jeder seine ermäßigte Kurtaxe voll ausbaden können.

Es gibt gar nicht so wenig Anwärter für eine Herbstreise an die See, wenn auch die Skeptiker immer noch überwiegen. Schließlich ist es heute so, daß die Bundesbahn sich mit den Seebädern auf einer besonderen Fahrplankonferenz hinsetzen muß, um auszuhandeln, wer in diesem Herbst einen Kurswagen oder einen Zug bekommt, der bis zum 30. September regelmäßig verkehrt.