Der sowjetische Ministerrat hat umfangreiche Bestimmungen über die – „sofort vorzunehmende und mit allen Mitteln durchzuführende“ – Intensivierung der Gasproduktion und Gasversorgung der Städte im Zeitraum 1956 bis 1960 erlassen. Unter Betonung dessen, daß die Gasproduktion nunmehr als einer der integrierenden Bestandteile der zur Zeit favorisierten Schwerindustrie anzusehen sei, da ihr in Zukunft eine „riesige Rolle in der Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft“ zugeteilt werden müsse. Im Zeitraum von fünf Jahren soll die absolute Gasversorgung von 132 Stadten und rund 250 industriellen Großbetrieben verwirklicht werden, unter der unerläßlichen Vorbedingung der Steigerung der Naturgasgewinnung um das 4,8fache im Verhältnis zum gegenwärtigen Produktionsstand und der gleichzeitigen Verdoppelung der Gaserzeugung aus Kohlen und estnischem Ölschiefer. Ausschließlich mit Naturgas müssen die Städte Leningrad, Charkow, Minsk, Rostow/Don, Riga, Wilna, Woronesch, Kursk, Orel, Taganrog, die nordkaukasischen Bäderstädte „und noch einige andere“ versorgt werden. Die absolute Gasifizierung der Städte Moskau, Kiew und Lwow soll jetzt bereits schon – „grundsätzlich gesehen“ (?) – abgeschlossen worden sein.

Als eine weitere entscheidende Vorbedingung wird der Bau von Ferngasleitungen genannt. Bereits gebaut und in Betrieb genommen wurden in den Nachkriegsjahren, die Leitungen Saratow – Moskau, Daschawa–Kiew–Moskau, Kochtla – Järve (Estland)–Leningrad. Gebaut werden müssen in Fünfjahresfrist die Ferngasleitungen Stawropol–Moskau, Daschawa–Minsk–Leningrad und Schebelinka–Charkow–Brjansk–Moskau, alle mit „überdimensional starken“ Kompressorstationen (die Gesamtlänge der letztgenannten Leitungen dürfte. weit über 4000 Kilometer hinausgehen). Schließlich wird noch festgestellt, daß eine „gewisse Anzahl von Großwerken“ zur Gewinnung von Kohle-und Ölschiefergas bereits im Bau wären, daß aber eine noch weit größere Zahl solcher Werke möglichst kurzfristig errichtet werden müßten.

Soweit die -Bestimmungen bzw. die Planung. Hierzu haben einige führende Männer der Gas- und Naphthaindustrie in der Parteipresse – darunter der Chefingenieur des Naphthaministeriums, Alexandrow, und der Chef des Mineralöltrustes des Gebietes Stalingrad, Fedortschenko – eine vorsichtig-ablehnende und die Durchführbarkeit bezweifelnde Stellung bezogen: Der Engpaß in der Produktion von Röhren für die Fernleitungen müsse fast schon katastrophal genannt werden, und eine Besserung der Lage wäre nicht abzusehen, weder quantitativ noch qualitativ. So habe man u. a. im März mit der Erzeugung von Spezialröhren im Durchmesser von 700 mm begonnen, es jedoch bis heute nicht zuwege gebracht, die Wandungen – wie erforderlich – um zwei Millimeter dünner zu gestalten. Ferner wäre es dem Ministerium für Maschinenbau bis jetzt nicht gelungen, geeignete Hochdruckkompressoren herzustellen, ganz zu schweigen von der Möglichkeit der Erzeugung von – im Ausland schon lange gebräuchlichen – Hochdruck-Turbinenkompressoren mit Leistungen bis zu 15 Mill. cbm in 24 Stunden. Schließlich erfolgt dann noch die Feststellung, daß die Erschließung einiger großer Naturgasvorkommen, die für die praktische Durchführung der neuen Planung absolut unerläßlich sei, im Höchstmaß problematisch wäre, weil sie infolge der dort herrschenden Weglosigkeit im Frühjahr, Herbst und Winter nur während der Sommermonate erreichbar wären... F. D.