Der Jahresbericht des Bundesverbandes des Privaten Bankgewerbes e. V. begnügt sich erfreulicherweise nicht mit einem einfachen Rückblick auf das verflossene Jahr, sondern in ihm wird zu Problemen Stellung genommen, die sich auf der direkten Ebene zwischen den Banken und ihrer Kundschaft kaum erörtern lassen. Die Feststellung, daß es weitgehend an der psychologischen Bereitschaft fehlt, eingegangene Zusagen auf Rückzahlung von Krediten einzuhalten, ist eine ernst zu nehmende Warnung an alle, die es angeht. Durch die jetzt erfolgte Mindestreservenerhöhung und mit der Drohung, weitere Schritte auf diesem Wege zu machen, sind die Kreditinstitute gezwungen, bei ihrer Kreditpolitik schärfere Maßstäbe anzulegen, was letzten Endes durch die Maßnahmen des Zentralbankrates auch bezweckt werden sollte.

Durch die Erstarkung des Kapitalmarktes, auf dem in diesem Jahr wahrscheinlich für 1,5 Mrd. DM neues Aktienkapital untergebracht werden wird, ist ein direkter Konsolidierungseffekt bei den längerfristigen Krediten bisher kaum wahrnehmbar. Eine Entlastung ist nach dem Bericht nur dadurch eingetreten, daß die Aktienneuemissionen eine entsprechende Neuzuteilung langfristiger und mittelfristiger Bankkredite „erspart“ haben. Eine Konsolidierung früher gewährter längerfristiger Kredite durch Aktienemissionen, die die Liquidität der Banken hätten verbessern können, ist bisher nur in geringem Umfang eingetreten. Überwiegend werden die Emissionserlöse wieder für zusätzliche Investitionen verwandt und schlagen sich bestenfalls vorübergehend bis zu ihrer vollständigen Verwendung auf längerfristigen Bankkonten nieder. Dieser zeitlich begrenzte Nutzen wird andererseits teilweise wieder dadurch aufgehoben, daß die Institute selbst zu den Erfolgen der Aktienemissionen durch eine gewisse Daueranlage in neuen Aktien beitragen müssen, zumindest aber eine gewisse „Manövriermasse“ aufnehmen und ihrer Kundschaft durch Kredite den Bezug der jungen Aktien erleichtern. Die Unlust bei Kreditrückzahlungen besteht auch bei vielen mittleren und kleineren Kunden, die zwar nur indirekte Konsolidierungen über Sammelanleihen vornehmen können, die es aber häufig vorziehen, ihre Überschüsse immer von neuem in Investitionen anzulegen, oder die es auch bei guter Rentabilität versäumen, ihre Eigenkapitalbasis in angemessener Weise zu verbreitern. Diese Handlungsweise gibt den Banken ein durchaus schlagkräftiges Argument in die Hand, wenn in der Öffentlichkeit an der Höhe der Kreditkonditionen Kritik geübt wird. „Die geringe Bereitschaft der Bankschuldner zur Konsolidierung spricht dafür“, so steht es in dem Bericht, „daß die Behauptung, die Kreditkonditionen seien wesentlich zu hoch, nicht zutrifft. Denn sonst würden die Schuldner in viel höherem Maße bereit sein, ,zu teure‘ Bankkredite mit den Erlösen nicht nur aus der Emission von Aktien, sondern auch von festverzinslichen Wertpapieren abzudecken !“ Auch hier bestimmt also die Nachfrage den Preis.

Sind diese Feststellungen in der Hauptsache an die Adresse der Bankenkundschaft gerichtet, so kommt man dem Gesetzgeber und seinen Organen mit einer ungleich viel längeren Wunschliste. Mit großem Unbehagen betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre in der Bilanzsituation, die Zu erkennen gibt, daß es zu einer starken Benachteiligung des privaten Bankgewerbes und zu einer Bevorzugung des Öffentlichen Bankwesens, namentlich der Girozentralen und der Sparkassen, gekommen ist. Erkennbar wird dies bei einem Vergleich mit der Entwicklung des Bilanzvolumens des privaten Bankgewerbes auf der einen Seite; und der Girozentralen sowie der Sparkassen auf der anderen Seite. Die prozentuale Zuwachsrate betrug in 1942 bei den Banken nur noch 19,8 (1953: 22,7), bei den Girozentralen 31,7 (29,0) und bei den Sparkassen 30,1 (30,4). Hier spielt die Thesaurierung öffentlicher Guthaben bei den Girozentralen und Sparkassen eine entscheidende Rolle. Zur Vermeidung der ungewöhnlichen Schwankungen in der Liquidität des gesamten Kreditsystems durch die Thesaurierung öffentlicher Guthaben im Zentralbanksystem wird vorgeschlagen, daß alle Steuerzahlungen der Kunden einer Bank auf einem Konto der betreffenden Steuerverwaltung bei der gleichen Bank vorgenommen werden, wo sie verbleiben, bis die Verwaltung darüber verfügt. Wie das Beispiel in den USA zeigt, kann eine derartige Technik der Steuererhebung durchaus reibungslos laufen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen einer solchen Dezentralisierung der Steuereinnahmen würde noch erhöht werden, wenn sich die Finanzverwaltung dazu entschließen könnte, die Steuertermine zeitlich mehr auseinanderzuziehen. Das gilt vor allem bei den Quartalsteuerterminen, die gegenwärtig eine Liquiditätsbelastung von etwa 3 bis 3,5 Mrd. DM bringen. Als unbedingt erforderlich sieht man es an, wenn die Termine für die Einkommensteuer einerseits und für die Körperschaftssteuer andererseits unter Berücksichtigung der Nebensteuern auf verschiedene Monate gelegt würden. Ob darüber hinaus innerhalb der einzelnen Monate noch eine Differenzierung (Körperschaftssteuern am 5. Tage eines Monats, Einkommensteuer am 25.) vorgenommen werden soll, bedarf noch eingehender Prüfungen. Dies sind, wie wir meinen, konstruktive Vorschläge, die zu einer Entspannung der Geldmarktsituation führen können und die eine Zusammenballung von Zahlungen und Guthaben vermeiden helfen. K. W.