Zur Frage der 40-Stunden-Woche, die von denGewerkschaften mit dem Schlagwort „40 Stunden sind genug“ in die öffentliche Diskussion geworfen wurde, hat sich jetzt ebenfalls die westdeutsche Zigarrenindustrie geäußert. Wenn man auch in Rechnung stellen muß, daß dieser typisch mittelständische Industriezweig mit seinen 70 000 Beschäftigten im Chor der großen Industriegruppen nur ein geringes Gewicht haben kann, so sind doch die Erkenntnisse, die eine Untersuchung zu diesem Thema ergab, recht eindrucksvoll.

Die Gewerkschaften argumentieren ja damit, daß bei der Fünf-Tage-Woche mit einer täglichen Arbeitszeit von 9 1/2 Stunden die Arbeitsintensität in den letzten anderthalb Stunden nachläßt, und daß ferner die kürzere Arbeitszeit zur stärkeren Rationalisierung zwinge und eine kleine Kürzung von Unternehmergewinnen und Handelsspannen einen weiteren Ausgleich schaffen könnte, damit die Frage der 40-Stunden-Woche ohne jede nennenswerte Erschütterung der Wirtschaft und auch ohne eine Kaufkraftherabsetzung gelöst werden kann. Die von der westdeutschen Zigarrenindustrie angestellte Untersuchung führte nun aber zu der bitteren Erkenntnis, daß bei ihr keines der angeführten Argumente die erwarteten Wirkungen auslösen kann. Sie verweist darauf, daß in ihrer äußerst lohnintensiven Branche die Löhne zu mehr als 90 v. H. aus Akkordlöhnen bestehen. Da aber damit gerechnet werden muß, daß die Gewerkschaften einen vollen Lohnausgleich fordern, können der Zigarrenindustrie Ersparnisse aus einer stärkeren Arbeitsintensität nicht erwachsen. Wohl wäre bei ihr eine weitere Rationalisierung – aber nur theoretisch – durch die in den USA üblichen Einrollmaschinen denkbar. Sie kämen jedoch – nicht nur aus Kostengründen – lediglich für die Großindustrie in Betracht, und außerdem würde die Beschaffung des für diese Maschinen notwendigen Zigarren-Deckblattes zweifellos Preiserhöhungen nach sich ziehen, die die Vorteile sofort wieder aufheben müßten. Und die Handelsspannen? Sie liegen heute schon weit unter der Vorkriegshöhe; die Verdienste der Zigarrenindustrie sind selbst so beschämend gering, daß hier höchstens einer Aufbesserung das Wort geredet werden muß.

Wo liegt also die Lösung? Auf keinen Fall etwa bei einer Preiserhöhung; vielmehr zunächst in der Erkenntnis, daß die Frage der 40-Stunden-Woche auch in der verhältnismäßig kleinen Zigarrenindustrie einer vorsichtigen und sehr ernsten Prüfung bedarf. ww