Das deutsche Fernsehen ist, darüber sind sich alle Auguren einig, in einem Enpaß angekommen. Gelingt es nicht, die Zahl der Teilnehmer (sie hält nun schon ein paar Monate bei rund 175 000) recht bald wenigstens zu verdoppeln, dann sieht es um die finanzielle Unabhängigkeit schlecht aus. Versucht man aber — wozu an manchen Stellen Neifung zu bestehen scheint —, durch eine Vergröerung des Programms (siehe — oder besser: siehe nicht — die Veranstaltungen der Düsseldorfer Ausstellung!) die Kauflust anzukurbeln, dann ist es um die geistige Unabhängigkeit des Fernsehens geschehen. An Warnungszeichen fehlt es nicht. Solange eine durchaus rühmenswerte Aufführung, wie die von Marcel Pagnols "Marius (vom Bayerischen Rundfunk beigesteuert) ein seltener Vogel" im Programm bleibt, besteht die Gefahr, daß alle Mühe verloren ist.

Diese vorsichtig auf die reicheren Möglichkeiten eines Fernsehstudios abgestimmte Bearbeitung des ersten Teils von Pagnols schon klassisch gewordener Volksstücktriologie allerdings traf genau die so selten erreichte Einheit von volkstümlich und poetisch. Rudi Reif, füllig, brummig und humorvoll, wie weiland Heinrich George, den Schankwirt aus dem Marseiller er war es, mit Bauch und Haar; sterberg, die nachbarliche Fischhän und gar die verschmitzte, auf Ehr Frau aus dem Randgebiet zwisr und "niederem Volk". Wieder eii daß der Fernsehschirm dem Theat überlegen ist. Man muß nur, wie hi , seur Wilm ten Haaf, die Chancen auch"?" wissen.

Freitag, 9. September, 21 Uhr: Als dritten Versuch eines soziologisch angelegten Fernseh Features zeigt der NwDR Georg Alexanders Fernsehberidit über "Einen Alltag mit Hafenarbeiter Nr. 1096".

Donnerstag, 8. September, 20 Uhr vom NWDRs Daß eine nette Lehrersfrau nicht nein sagen kann zu Leuten, die ihr an der Haustür etwas anbieten oder sonst eine Bitte haben, und wie durch diese grenzenlose Güte ein heilloser Wirrwarr in den Familienverhältnissen entsteht — das ist das Thema von Heinrich Bölls neuem, burleskem Hörspiel "Anita und das Existenzminimum".

20 00 aus München: Bei den Mu ndi5n er Festspielen dirigiert Fetenc Fricsay, der neue Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, em Konzert mit Werken von Richard Strauß, darunter das (von Leo Goossens gespielte) Oboenkonzert — 22 20 aas Frankfurt! Eine neue Sendefolge Klassiker der Theaterkritik" beginnt mit einer Studie über Theodor Fontäne von Alfred Happ — 22 20 ans Stuttgart: Manen Motetten von Caldara, Brucfcner und Verdi — 23 15 vom NWDR: Vor zehn Jahren kam durch einen versehenthdi abgegebenen Schuß der Wiener Meister Anton Webern um, dessen Jugendbildnis sein Freund, der Klarinettist Friedrich Wildgans, zeichnet — 23 15 vom SWF: Lieder von Willy Burkhard und das Streichquartett von Constantin Regamey, Freitag, 9. September, 22 30 Uhr vom Süd westfunk: Kann der Lyriker von seinen Gedichten leben, ja, kann er überhaupt den Vers noch als Ausdruck unserer Wirklichkeit erleben? Auf diese Fragen antworten vier Lyriker: Wilhelm Lehmann, Rudolf Hagelstange, Hans Egon Holthusen und Karl Krolow, 20 00 vom NWDR: Eine Hamburger Funkauffütaung von Puccinis einaktiger Oper "Der Mantel" unter Mario Cordone mit italienischen Sängern — 20 00 aus Bremen: Von den Salzburger Festspielen das Mozartkonzert der Camerata Academica des Salzburger Mozarteums — 22 10 vom NWDR: Die Philosophin Hedwiq Conrad Martius und der Mediziner Dr. Curt Emmrich ("Peter Bamm") fuhren im Nachtprogramm ein Gesprach über Neue philosophische Aspekte des Zeitbegnffs" — 22 30 aus Stuttgart: Werner Heisenberg zeichnet das "Naturbild der modernen Physik" — 23 20 aus Stuttgart: Das Kölner Streichquartett spielt Arnold Schönbergs Streichquartett Nr 4.

Sonnabend, 10. September, 23 30 Uhr aus Stuttgart: Nach dem Verstummen von Bert Brecht ist Walter Mehring heute der einzige wesentliche deutsche Dichter, dem der Bänkelsang natürliches und kunstvoll behandeltes Ausdrucksmittel wurde. Stuttgart sendet eine Auswahl aus seinen "Chansons" mit Musik von Heinrich Fleischner.

16 00 vom SWF: Drei SWF Reporter unternahmen m der Silvretta eine Bergtour im Ei mit Teleport und Reportofon — 17 25 aus München: Kammermusik und Lieder von Chopin und Richard Strauß.