Das trotz Entflechtung nach wie vor größte Zechenunternehmen der Bundesrepublik, die ehemals zum Stahlverein gehörende Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, legt ihrer oHV am 28. September 1954 eine Bilanz vor, von der gesagt werden darf, daß sie durch und durch solide ist. Das Unternehmen verteilt für 1954 6 v. H. Dividende nach 2 1/2 v. H. für das 6 Monate umfassende Geschäftsjahr 1953 und schlägt der oHV vor, das A Kum 80 Mill. DM genehmigtes Kapital auf 448 Mill. DM zu erhöhen. Dabei wird das gesetzliche Bezugsrecht der Aktionäre aufgeschlossen, jedoch mit der Einschränkung, daß die von einem Bankhaus zu übernehmenden neuen Aktien im Falle der Barzeichnung den Aktionären zu einem noch von der Verwaltung festzulegenden Bezugsrecht angeboten werden sollen. Die letzte AK-Erhöhung um 20 Mill. DM wurde vom Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie, Köln, zum Kurse von 150 v. H. übernommen.

Bemerkenswert ist, daß der AR von Gelsenberg durch Zuwahl führender Persönlichkeiten ein wesentlich neues Gesicht erhält. Der HV wird nämlich vorgeschlagen, Bankier Hermann J. Abs (Süddeutsche Bank), Bergassessor a. D. Hans-Günther Sohl (Thyssenhütte) und Dipl.-Kaufmann Werner Söhngen (Rheinstahl) neu zu wählen. Auf Anfrage, ob der größte Privataktionär mit rund 45 bis 50 Mill. DM Aktienbesitz an Gelsenberg, nämlich der Bremer Holzkaufmann Hermann D. Krages, ebenfalls in den AR komme, wurde erklärt, daß Krages noch keinen offiziellen Antrag an die Verwaltung gerichtet habe. Wenn er den Wunsch äußere und einen solchen Antrag stelle, werde man nicht umhin können, der Aufforderung stattzugeben. Es bleibt also abzuwarten, ob Krages diese Gelegenheit nutzt, aktiv in die Montanwirtschaft der Bundesrepublik einzusteigen. Sollte er erst während der HV einen, entsprechenden Antrag stellen, so wird es interessant sein, die Haltung der Depotbanken zu beobachten, die bei dieser Frage ohne Genehmigung ihrer Kunden wohl weder mit ja noch mit nein werden stimmen können. Da sich außerdem bereits einige kritische Stimmen zur Frage der Kapitalerhöhung gemeldet haben, dürfte die HV einen lebhaften Verlauf nehmen. Es wäre sowieso zu begrüßen, wenn die HV eine gute Aktionärspräsenz bekäme, weil die Verwaltung u. a. auch die Beschlußfassung über Satzungsänderungen beantragt hat, um sich von gewissen alliierten Sonderdiktaten, die in den Satzungen festgelegt werden mußten, zu befreien. GBAG verfügt über rund 95 000 Aktionäre, die ihre Stücke bei den Banken deponiert haben, und über rund 4200 „Stumpf-Aktionäre“, die also ihre Stücke im eigenen Schreibtisch (oder Schlafzimmer) aufbewahren. Der sehr übersichtlich gestaltete umfangreiche Geschäftsbericht ist daher in einer Auflage von 110 000 Stück gedruckt und versandt worden.

Die Geschäftssituation der jetzigen GBAG-Gruppe, die eine Gesamtbelegschaft von rund 80 000 Köpfen hat, ist 1154 trotz der Kohlen- und Kokskrise des ersten Halbjahres gut gewesen. Jedoch sei seit dem 1. April 1955 die Rentabilität erheblich schlechter geworden, nachdem die Lohnerhöhung im Bergbau die Produktivitätssteigerung überboten hatte und im Preis kein entsprechender Ausgleich zu finden war, stellte die Verwaltung auf einer Wirtschaftspressekonferenz fest. Der Konzern ruht im wesentlichen auf seinen Bergbaubetrieben einschließlich Veredelung und Kraftstrom, sodann auf seiner Treibstoffgewinnung und auf dem Handelsumsatz. Die in der Bilanz mit 533 Mill. DM ausgewiesenen Beteiligungen entfallen im wesentlichen auf die l00-v.-H.-Töchter Dortmunder Bergbau, Bochumer Bergbau, Rheinelbe Bergbau, Gewerkschaft Donar, Geisenberg Benzin AG, Vereinigte Holz und das seit 1905 zur GEAG gehörende über hundertjährige Handelsunternehmen Raab Karcher GmbH, Karlsruhe. Außerdem sind noch 50 v. H. Beteiligungen an Hansa Bergbau, Carolinenglück, Graf Moltke Bergbau und Kokerei Alma bei den 100-v.-H.-Töchtern in Portefeuille, die anderen 50 v. H. liegen bei Hüttenkonzern.

Der Gesamtumsatz der Gruppe stellte sich 1954 auf 2,16 Mrd. DM nach 2.012 Mrd. DM im Vorjahr. An Investitionen wurden seit der Währungsreform 714 Mill. DM aufgewandt, davon 74 v. H. aus eigenen und 26 v. H. aus Fremdmitteln. Verdiente Abschreibungen sind daran mit 219 Mill. DM, 7c-Mittel mit 118 und sonstige Eigenmittel mit 131 Mill. DM beteiligt. Auf die Grubenbetriebe entfielen 223 Mill., auf Kokereien und Kohlenwertstoff 90, auf Mineralölverarbeitung 94, auf Kraftwirtschaft 113 und auf Wohnungsbau 143 Mill. DM.

Die Produktionszahlen haben eine imponierende Größe. An Kohle wurden 17,15 (16,75) Mill. t oder 14,4 v. H. der gesamten Ruhrförderung gewonnen. Die Kokserzeugung stellte sich auf 4,6 (5) Mill. t oder 15 v. H der Zechenkokserzeugung der Ruhr. An Gas wurden 2,12 (2.23) Mrd. cbm und an Strom 2,18 (2.19) Mrd. Kilowattstunden bei einer installierten Leistung von 470 000 kW erzeugt. An Treibstoffen wurden 518 000 t Benzin, 484 000 t Dieselöl und 53 000 t Flüssiggas gewonnen? am Benzinverbrauch der Bundesrepublik hatte GBAG einen Lieferanteil von 24 v. H.

In der Gruppe sind 20 fördernde Schachtanlagen, sechKoke <reien, drei Brikettfabriken, vier chemische Betriebe, drei Ver- bundkraftwerke und zwei Großkraftwerke für das öffentliche Netz zusammengefaßt. Auf dem Cemieabschnitt wird mit der BASF gemeinsam auf dem Äthylen-Gebiet und mit Professor Dr. Ziegler auf dem Polyäthylen-Gebiet gearbeitet.

Zur Preissituation erklärte Dr. Friedrich Funcke, daß die Kohle unter allen Umständen eine Preisfreiheit ähnlich der auf dem Eisen- und Stahlmarkt anstrebe und daß es unverständlich sei, wenn die Hohe Behörde den berechtigten Forderungen des Kohlenbergbaues weiterhin nur taube Ohren leihe. Wenn der Verbraucher bis zu 30 DM die Tonne mehr bei Importkohle zahlen könne, dann wäre eine Preisanhebung der Ruhrkohle um die verlangten 2,50 DM überhaupt kein Diskussionsobjekt. Rlt.