Dd, Wiesbaden

Eine Schlaf Zimmereinrichtung mit geigencen Engeln über den Betten dünkte dem 41jährigen Hilfsarbeiter M. aus Oberhessen der Inbegriff alles Schönen. In voller Einmütigkeit mit seinem gleichaltrigen Weibe wendete er sein gesamtes Monatseinkommen zur Bezahlung der ersten Rate auf, und das Schlafzimmer kam ins Haus. Als jedoch der Termin zur Zahlung der zweiten herangekommen war, wußte das Ehepaar nicht ein noch aus. Vergeblich bemühte sich M. in jenen Tagen, eine neue Anstellung zu finden.

Unterdessen waren amerikanische Soldaten in das Vogelsberggebiet gekommen, um dort ihre Manöver abzuhalten. Abends hockten sie um lodernde Feuer, brieten Äpfel und Kartoffeln und begannen auch, mit den Töchtern des Landes zu fraternisieren. Da geschah es, daß M. seine Frau an die Hand nahm und die fremden Krieger in ihren Lagerfeuern besuchte. Und während der Mann mit den Soldaten eine Bierflasche nach der anderen leerte, sorgte die Frau unter freiem Hinmel dafür, daß auch die zweite Schlafzimmer-Rate zusammenkam.

Vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen zeigte sich M. sehr erstaunt darüber, daß man ihn angeklagt hatte. Die Frage des Richters, ob er sein Tun nicht selbst als merkwürdig empfunden habe, verneinte er. Es sei doch alles aus Not geschehen. Die Strafkammer sah in der Naivität des Mannes angesichts der laxen Moral seiner Umwelt mildernde Umstände und ließ es bei fünf Monaten Gefängnis wegen schwerer Kuppelei bewenden.