Mit einer großen Jubiläumsregatta auf dem hannoverschen Maschsee feierten die Schülerruderer die Erinnerung an den Tag ihrer Vereinsgründungen im Jahre 1880. An zwei geographisch voneinander weit entfernten Orten Deutschlands begannen damals zwei sportliche Oberlehrer ihre Schüler für den Rudersport zu begeistern: In der kleinen, an dem reizenden Ufer der seeartig erweiterten Obereider gelegenen Stadt Rendsburg war man sehr besorgt um das sittliche Wohl der reiferen Schüler der Prima und Obersekunda, die eine verdächtige Neigung zur Nachahmung studentischer Sitten zeigten und vornehmlich den Kneipereien zugetan schienen. Als gelegentlich einer Lehrerkonferenz diese Gefahr und die Mittel ihrer Abwendung .besprochen wurden, schlug der Prof. Dr. Karl Schulthes die Einführung des sportmäßigen Ruderns für die Primaner vor. So entstand als erster deutscher Schülerruderverein der Primaner-Ruder-Club Rendsburg. Im schlesischen Ohlau, im Südosten des Reiches, fand man zur gleichen Zeit, daß die körperliche Erziehung der Jugend recht mangelhaft war. Da nun dort an dem Progymnasium der Oberlehrer Dr. Christoph Lampe als Prorektor wirkte, der ein großer Freund des Ruderns war, kam es zu der Gründung des Gymnasial-Rudervereins „Olavia“.

In 15 Rennen, die ein genauso zahlreiches und interessiertes Publikum wie bei jeder offenen Regatta der Erwachsenen angezogen hatten, legten etwa 400 jugendliche Ruderinnen und Ruderer in 90 Booten auf dem sonnenüberfluteten Maschsee hervorragende Proben ihres Könnens ab, und selbst in regelrechten Rennbooten für Vierer- und Achter-Mannschaften (was man früher nicht gekannt hat) erwiesen sie sich als wahre Meister. Der niedersächsische Kultusminister unterstrich den Wert der Schülerruderer für die Jugenderziehung dadurch nachdrücklich, daß er den hannoverschen Schulen neun Boote als Geburtstagsgeschenk überreichte.

Unterhält man sich mit den „Aktiven“ von heute, dann erkennt man in ihnen sich selber wieder. In den 75 Jahren des Bestehens der Schülerrudervereinigungen haben sich wohl die Bootstypen oftmals und grundlegend geändert, aber damals wie heute hat das Rudern dieselbe Anziehung für die 15- bis 19jährigen. Etwa zehntausend Schülerruderer (Jungen und Mädchen) von fast 300 Schulen Westdeutschlands betätigen sich aktiv in einer der gesundesten Sportarten.

In der Schülerruderei findet auch die heutige Jugend einen erlaubten Weg, in der Freizeit sich selbst zu gehören. Sie versuchten, auf ihre eigene Weise die Welt kennenzulernen, die Natur zu erforschen, Mut zu erproben und sich in Kameradschaftlichkeit zu üben. Daß sie trotz ihrer eifrigen sportlichen Betätigung ihre Schülerpflichten nicht vergessen, ist den Schülerruderern Ehrensache. Die Statistiken haben ergeben, daß die Mitglieder der Rudervereine durchweg zu den besseren Schülern zählen, daß sie meist gut versetzt werden und alle auch ein gutes Abgangszeugnis erhalten. Nicht zuletzt aus diesem Grunde gehört gerade das Schülerrudern zum festen und besten Bestandteil unseres großen Sportjugendplanes.

Am kommenden Sonntag werden sich auch die Hamburger von der großen Beliebtheit der Schülerruderei überzeugen können, die natürlich in dieser Stadt des Wassersports in besonders starken Verbänden organisiert sind. Auf der großen Schuljugendregatta werden sich in 27 Stilruder-Wettbewerben und 26 Rennen etwa 500 jugendliche Ruderer aus 24 der 30 Groß-Hamburger Schulgruppen treffen und zeigen, was sie im letzten Sommer gelernt haben und was sie können.

W. F. Kleffel