w. b., Wesel

Der Schwesternstadt-Besuch aus Hagerstown (Maryland-USA) in Wesel, der 1945 zu 97 Prozent zerstörten Kreisstadt am rechten Niederrhein, fand seinen Höhepunkt im traditionellen dreitägigen Schützenfest. Die amerikanische Delegation – an der Spitze Bürgermeister Burhans mit Frau und Tochter – war verstärkt durch einige von 47 Söhnen Hagerstowns, die in Deutschland als Soldaten stationiert sind. Und unter den Weseler Bürgern wird es ewig ungeklärt bleiben, ob der amerikanische Besuch oder die Reize des traditionellen Schützenfestes, verbunden mit der vorläufigen Einweihung der Niederrheinhalle, des ehemaligen zerstörten Schützenhauses, so viele Gäste aus naher und ferner Umgebung angelockt haben. Freilich gehört Wesels Schützenfest mit den beiden von Deutz und Neuß zu den bekanntesten Festen dieser Art am Rhein.

Die Ausstellung, welche die Patenstadt Hagerstown in Wesel durchführt, ist die erste Ausstellung einer amerikanischen Stadt im Bundesgebiet. Sie ist die Erwiderung eines Besuchs, den Wesels Abgesandte – ebenfalls mit einer großen Ausstellung – im vergangenen November Hagerstown abstatteten. Vergessen ist, daß es amerikanische Geschwader waren, die Wesel auslöschten. Schließlich ist die Einwohnerzahl (25 000) heute höher als vor dem Kriege.

Die Ausstellung ist in drei Geschossen des Rathauses untergebracht und gibt einen erschöpfenden Überblick über alle Lebensbezirke der Schwesterstadt. Die Geschichte der von dem Deutschen Hager gegründeten Stadt – eine wohlwollende Geschichtsforschung läßt ihn (nach dem Ausstellungskatalog) am Niederrhein in der Nähe Wesels geboren sein, aber wahrscheinlich war er Hesse – wird in Modellen und Schaubildern bis zum heutigen Tage gezeigt. Mit besonderem Stolz wird darauf hingewiesen, daß die Fairchild- Flugzeugwerke in Hagerstown die „fliegenden Möbelwagen“ herstellten, die in der Hauptsache die Luftbrücke nach Berlin aufrechterhielten.

Immer wieder wurde in Gesprächen betont, daß die Lebensverhältnisse in beiden Städten gar nicht so verschieden sind, daß die Menschen hier wie dort die gleichen Freuden und Sorgen haben.

Wie groß der Rahmen der Amerika-Festtage in Wesel gezogen wurde, läßt sich am besten daraus erkennen, daß der amerikanische Soldatenchor „Red Diamond“ am Mittwochabend und das Symphonieorchester der 7. amerikanischen Armee am Donnerstag in der Niederrheinhalle Konzerte veranstalten. Ein Flugtag auf dem Weseler Flugplatz, an dem sich auch Fairchild-Maschinen aus Hagerstown beteiligen, bildet zusammen mit der Nachfeier des Schützenfestes am Sonntag den Abschluß der Amerika-Festtage.

drk., Münster