Die Einheit“, schreibt André Fontaine in Le Monde, „sitzt“ den Deutschen vielleicht nicht so tief im Blut wie uns Franzosen. Man braucht nur an den ein Jahrhundert alten Streit zwischen Groß- und Kleindeutschen zu denken. Österreich entschied sich 1920 aus freien Stücken für den Anschluß an das Deutsche Reich, nur durch die Alliierten wurde es daran gehindert. Heute scheint es sich als unabhängige Nation recht wohl zu fühlen. Vielleicht wird es eines Tages mit den Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik ähnlich gehen?“

Die Franzosen haben offenbar geglaubt, der deutsche Mangel an nationalem Empfinden werde auch die Saar allmählich dazu bringen, sich von Deutschland abzuwenden und die Verbindung mit Frankreich, die wirtschaftliche zunächst und später vielleicht die politische, hinzunehmen. Aber es scheint, bei den Saarländern haben sie sich geirrt. Das Nein der deutschen Parteien zum Saarstatut ist nicht nur ein Protest gegen Hoffmann und Hector, es ist vor allem ein Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Deutschland.

Als Grenzvolk kennen die Saarländer die zähe Beharrlichkeit ihrer Nachbarn, sie fürchten, nie wieder frei zu kommen, würden sie erst einmal die, wenn auch vorläufige, Trennung von Deutschland und die Bindung an Frankreich durch ihre Zustimmung aus einem einseitigen Gewaltakt zu einem Rechtszustand machen. Selbst die Aufforderung des Bundeskanzlers, das Saarstatut anzunehmen, hat die Saarländer, wie es scheint, nicht irremachen können. Die nationale Selbstbestimmung ist schließlich ein unverlierbares Recht. Dr. Hubert Ney, der Vorsitzende der CDU-Saar, sagte voraus, die Delegierten seiner Partei, denen die Frage noch einmal zur Entscheidung vorgelegt werde, würden zu. keinem anderen Ergebnis kommen, sie würden bei ihrem Nein bleiben. Einmütig haben die drei deutschen Saar-Parteien sich zu einem Heimatbund zusammengeschlossen mit dem Ziel, allen inneren und äußeren Einflüssen zum Trotz am deutschen Vaterland festzuhalten und die deutsch-französische Verständigung im Geiste der Wahrhaftigkeit durch eine gerechte Lösung der Saarfrage zu fördern. Zff.