Einen neuen Vorstoß zugunsten besserer Eigenfinanzierung im Kohlenbergbau unternahm der Vizepräsident des Beratenden Ausschusses der Montan-Union, Generaldirektor Bergassessor Burckhardt, auf der oHV des Eschweiler Bergwerks-Vereins. Der deutsche Bergbau habe offenbar nicht genug für den Ausbau seiner Förderkapazität getan, stellte er fest. Jedoch sei der Bergbau durch die offizielle Preispolitik an der Aufbringung der notwendigen Mittel seit Jahrzehnten gehindert worden. Burckhardt forderte daher eine langfristige und gesunde Kohle Wirtschaftspolitik, die nicht nur von der Hohen Behörde ausgehen könne, sondern ebenso vom Lande selbst verfolgt werden müßte.

Die bisherige Handhabung der Abschreibungen beschwört im gesamten Bergbau schwere Gefahren herauf und sollte dringend geändert werden. Bei Eschweiler steht z. B. eine der wenigen Neuanlagen, der Schacht Emil Mayrich. Sein Bau wurde 1937 begonnen. Er bringt heute eine Tagesförderung von 1500 t und kostete bisher 120 Mill. DM Investitionsgelder. Die Finanzierung solcher Neuanlagen mit zinsfördernden Fremdmitteln ist jedoch bei den heutigen Kapitalmarktbedingungen praktisch unmöglich. Dem Bergbau sollte daher – und das ist auch die Forderung von Burckhardt – eine größere Selbstfinanzierungsmöglichkeit für Neuaufschlüsse gegeben werden. Um dies zu erreichen, müßten die Abschreibungsfristen für die Aufwendungen für Neuanlagen unter Tage so verkürzt werden, daß die Abschreibungen bereits während der Schaffung neuer Anlagen größtenteils erfolgen und die Unternehmen Erträge ihrer anderen Gruben steuerlich begünstigt investieren können.

Anläßlich der letzten Lohndebatte sind dem Bergbau vom Bundeskabinett namhafte Unterstützungen zugesagt worden. Bisher sind sie allerdings ausgeblieben. Der Kohlenpreis dürfte nicht seiner Notwendigkeit entsprechend erhöht werden, aber die höheren Löhne müssen Woche für Woche in der Kasse sein. Man täte gut in Bonn, die Worte vom Frühjahr zu realisieren, nun auch einmal selbst in die Kasse zu greifen und die Versprechungen einzulösen. Die Verkürzung der Abschreibungsfristen gehört dazu. Sie würde außerdem von der Notwendigkeit entheben, Neuinvestitionen auf den Kohlenpreis umzuschlagen. Praktisch handelt es sich also um eine Steuerstundung, die den bergbaulichen Eigentümlichkeiten Rechnung trägt, die Kohlenpreise von der Investitionsseite her nicht nach oben drückt und die Mittel schafft, um die zukünftige Kohleversorgung von der Förderseite her nicht zu gefährden. Rlt.