Von Robert Strobel

Bonn, im September

Der Delegation, die den Kanzler nach Moskau begleitet, fuhr ein großer Stab von Sachverständigen, technischem Personal, Köchen und so weiter voraus. Es ist ein in mehrfacher Hinsicht autarker Apparat. Diesmal ist die diplomatische Besetzung so stark, daß sie sogar über das Ressort hinausgreift. Auch der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Dr. Globke, begleitet den Kanzler. Es ist verständlich, daß Dr. Adenauer in der schwierigen Situation, die ihn in Moskau erwartet, diesen im Schweigen wie im Reden so einfügsamen Berater gern um sich haben möchte. Denn Dr. Globke gehört zu den wenigen, die der Kanzler an der Einsamkeit seiner Entschlüsse teilhaben läßt.

Überraschend für viele kam die Nachricht, daß auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Arnold, mit von der Partie ist. Er gehört nicht zu den engsten Vertrauten des Kanzlers und fährt als Beobachter für den Bundesrat, dessen Auswärtigem Ausschuß er präsidiert, nach Moskau. Man soll schon bei mehreren Gelegenheiten im Auswärtigen Ausschuß der deutschen Ländervertretung die offizielle Berichterstattung als nicht genügend aufschlußreich empfunden haben, und der Wunsch nach einer Änderung soll bei der Wahl Arnolds zum Vorsitzenden dieses Ausschusses eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben.

Der Bundesaußenminister, sicherlich mehr Zeuge als Akteur der Verhandlungen, wird nachher die Außenminister der Westmächte in Washington über den Verlauf der Moskauer Beratungen und die dabei gewonnenen Erfahrungen informieren. Neben Dr. von Brentano bilden Staatssekretär Prof. Hallstein, die Botschafter Blankenhorn und von Eckardt und Ministerialdirektor Grewe, der Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, sozusagen die Gruppe der führenden Generalstäbler. Der Kanzler hat sich daran gewohnt, ihre Meinungen zu hören und im Gedankenaustausch mit ihnen seine Entschlüsse vorzubereiten. Er wird sich auch in Moskau auf ihren Rat stützen.

Als Rußlandkenner fährt Gesandter von Walther aus Paris mit, der schon der deutschen Botschaft in Moskau unter von Schulenburg angehörte.

Die Sachverständigen wurden im übrigen so ausgewählt, daß für alle in Betracht kommenden Themen Fachleute zur Verfügung stehen. Ministerialdirigent von Trützschler, der Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, dürfte vor allem als Sachverständiger in den Sorgen um die Kriegsgefangenen herangezogen werden. Für die Fragen des Außenhandels stehen Ministerialdirektor Reinhardt vom Bundeswirtschaftsministerium und der Leiter der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirigent von Scherpenberg, zur Verfügung. Man wollte diesem Verhandlungsthema nicht durch eine politisch prominentere Besetzung zu großes Gewicht geben.