Noch einmal nach Westerland. In diesem Jahr hat es sich gelohnt. Die Sonderzüge nach Westerland, die zu jedem Wochenende von Kiel, Lübeck und Flensburg und vor allem von Hamburg kamen, waren bis zum letzten Platz besetzt. Noch am letzten Sonnabend trug der Sonderzug von Hamburg über 500 Menschen nach Sylt, alle vier Sonderzüge weit über 1000 auf die Insel. Von Hamburg fährt der letzte Sonderzug in dieser Saison am 11. September, aus den drei schleswig-holsteinischen Städten vielleicht noch am 18. und wenn das Wetter es erlaubt, noch am 25. September. Die Fahrpreise sind (13,30 DM von Hamburg) so niedrig, daß der Kilometer (mit Schnellzugsgeschwindigkeit) auf wenig über 3 Pfennig kommt. Im kommenden Frühjahr wird die Bundesbahn ausprobieren, wie früh man mit dieser Art von Sonderzügen beginnen kann.

Bad Nenndorf. Mitten im Kurpark hat das niedersächsische Staatsbad eine neue Liege- und Schweigewiese angelegt. Überall auf den Rasenflächen und unter Bäumen stehen bequeme Liegestühle. Ein strohgedecktes Holzhaus bietet Schutz bei ungünstiger Witterung.

In Bad Meinberg ist der große Kursaal mit 750 Sitzplätzen seiner Bestimmung übergeben worden. Dem Kursaal vorgelagert ist eine Trinkhalle mit Wandelgängen.

Alte Burgen als Hotel. Etwa eine halbe Million Amerikaner kamen in dieser Saison nach Europa. Nach Schätzungen haben sie dabei etwa 400 Millionen Dollar ausgegeben. Die Tatsache, daß der Amerikareisende in Deutschland vor allem die Ruhe und Gemütlichkeit sucht, die er in den Großstädten seines Landes nicht hat, und daher die mitteralterlichen Städtchen, allerdings mit modern betriebenen Gasthöfen und Schloßhotels, bevorzugt, sucht sich das Land Hessen zunutze zu machen, indem es alte Schlösser und Burgen als Hotelgaststätten ausbauen läßt. Der heftige Protest, der am Anfang gegen das Projekt bis in den Hessischen Landtag drang („Was hat man mit den Burgen vor?“ ZEIT Nr.l3/1954), weil die Hotels und Gaststätten eine staatliche Konkurrenz fürchteten, ist dadurch beigelegt worden, daß die Gaststätten nicht in Staatsregie geführt, sondern verpachtet werden sollen. Zunächst sollen die Ruine der um 1335 erbauten Sababurg im Reinhardswald an der Weser, die dem Odenwald vorgelagerte, zum Teil 700jährige Burgruine Frankenstein an der Bergstraße und das Schloß Hirschhorn am Neckar ausgebaut werden. Unter den Bauwerken, die Aussicht haben, später in das Regierungsprogramm einbezogen zu werden, sind der Neuenstein bei Bad Hersfeld, das Wilhelmsbad bei Hanau und an der Bergstraße das „Fürstenlager“ mit der Schloßruine Auerbach, ein früherer Sommersitz der Großherzöge von Hessen.

„Was im Kurpark blüht“ heißt eine Ausstellung, die für die Salzufler Kurgäste in der Wandelhalle zusammengestellt würde. Sie soll zu einer ständigen Einrichtung werden und einen Überblick über die Blumen bieten, die jeweils in den Anlagen in voller Blüte stehen. Die Schau zeigt etwa hundert verschiedene Blumenarten, darunter die gerade vorherrschenden Dahlien-, Rosen-, Begonien- und Gladiolenblüten, südamerikanischen Ziertabak und das „Fleißige Lieschen“, ein Balsamgewächs aus Ostindien, das von Mönchen eingeführt und zuerst in Klostergärten gepflanzt wurde. – In Bad Salzuflen wurde kürzlich das erste Kursanatorium des Deutschen Roten Kreuzes in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Es steht ausschließlich Privatkürgästen zur Verfügung, die unter Herz- und Kreislaufstörungen leiden.

„Marokko ist trotz der Unruhen nach wie vor eines der beliebtesten Reiseländer“, teilt das Hapag-Lloyd-Reisebüro, Hamburg, mit, „diese Tatsache dürfte auch Ihre Leser besonders interessieren.“ Die Vorfälle in-Französisch-Marokko haben die starke Nachfrage nach diesem ungewöhnlich interessanten Reiseland nicht beeinträchtigt. Die am 16. September in Hamburg beginnende Erholungsreise nach Portugal, Marokko und den Atlantischen Inseln des Hapag-Lloyd-Reisebüros mit D. „Patricia“ des Schwedischen Lloyd ist ausverkauft, die am 3. Oktober in Hamburg beginnende zweite Fahrt stark gebucht. Falls erforderlich, wird statt Casablanca Ceuta in Spanisch-Marokko angelaufen, so versprechen die Veranstalter der Reise.