Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG‚ dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Wenn es auch während der Genfer Konferenz der Großen Vier vom 18 bis 24. Juli nicht gelungen ist, die zwischen Ost und West bestehenden politischen Spannungen restlos zu lösen, so haben doch dieses Zusammentreffen und die kürzlich beendete Atomkonferenz dazu beigetragen, diese zu mildern. Hinzu kommt, daß auf wirtschaftlichem Gebiet eine größere Annäherung sich vorzubereiten scheint. Inwieweit es wirklich zu einer Intensivierung des Ost-West-Geschäfts kommen wird, muß abgewartet werden. Aus der bisherigen Preisentwicklung auf den Weltwarenmärkten war jedoch noch keine Belebung der Nachfrage zu erkennen.

Getreide: Bei zum Teil lebhafter Umsatztätigkeit an der Chikagoer Getreidebörse war die Preisentwicklung uneinheitlich. Das gleiche gilt für New York, wo sich, abgesehen von kleinen Preisfestigungen gegen Wochenende bei Weizen und Mais, die Hafer- und insbesondere die Roggennotierungen (neuer Niedrigstpreis seit dem 1. Januar 1951) ermäßigten Auch die Gerstennotierung lag gegenüber der Vorwoche abgeschwächt. Fachkreise in den USA rechnen damit, daß die diesjährigen US-Weizenexporte nicht das Niveau der Vorsaison erreichen werden. Auch für den Inlandabsatz werden infolge des rückläufigen Mehlverbrauchs die Aussichten nicht allzu günstig beurteilt. Bei Mais wurden Anschaffungen auf Grund von privaten Ernteschätzungen vorgenommen, die mit 3143,6 Mill. bu rund 8 v. H. unter der amtlichen Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums liegen. Nach Schätzungen des Commonwealth Wirtschaftsausschusses dürfte die diesjährige USamerikanische Maisernte um rund 17 v. H. höher sein als die des Vorjahres. Westeuropa rechnet im allgemeinen mit einer guten Ernte, und in der UdSSR wurde die Anbaufläche sehr stark erweitert. Auch bei Gerste und Hafer dürfte das diesjährige Ergebnis in einigen wichtigen Anbauländern dasjenige des Vorjahres übersteigen. Vom 1 bis 24. August wurden im Rahmen des internationalen Weizenabkommens 0,84 Mill. t Weizen verkauft im Vergleich zu 1,37 Mill. t im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Die niedrigen Verkaufszahlen zu Beginn des neuen IWA-Jahres dürften darauf hindeuten, daß die Importländer infolge besserer eigener Ernte keinen so dringenden Bedarf haben.

Kupfer: Während der Berichtswoche hat auch die letzte der großen US-amerikanischen Kupferfirmen ihren Verkaufspreis an inländische Verarbeiter auf 43 c/lb heraufgesetzt. Die Händlerpreise betragen weiterhin 50 bis 51 c/lb. Unter dem Einfluß dieser Preisbewegung haben auch die Kupferschrottpreise angezogen. Unter dem Einfluß der sehr angespannten Versorgungslage, die einmal durch die hohen Produktionsausfälle infolge der Streiks und zum anderen infolge eines hohen Verbrauchs entstanden ist, zog die Londoner Kassanotierung vorübergehend auf 400 £/lgt an, was 50 c/lb entspricht, Allgemein wird angenommen, daß die Nachfrage bis Jahresende gut bleiben wird. Insbesondere dürfte in den USA auf Grund der starken Differenz zwischen der Versorgungslage und den unerledigten Aufträgen darauf geschlossen werden, daß mit einer anhaltend lebhaften Nachfrage zu rechnen sein wird In der Erwartung, daß die Preise wieder fallen würden, hat die Kauftätigkeit mit der schnellen Aufwärtsentwicklung der Londoner Preise nicht Schritt gehalten, so daß zur Zeit ein gewisser Deckungszwang eingetreten ist. Die Bemühungen, die Kupfererzeugung in den USA, Chile und Rhodesien zu steigern und neue Vorkommen zu erschließen, deuten darauf hin, daß eine Erhöhung des Angebots angestrebt wird, da die Produzenten ein stärkeres Ausweichen auf Austauschstoffe befürchten. Auch die Einführung eines Festpreises durch die Rhodesien Selection Trust-Gruppe gehört hierzu Unter dem Einfluß der anhaltenden Preishausse hat diese Gruppe mit Wirkung vom 5. September 1955 ihren Preis von 325 £/lgt der seit dem 2. August 1955 gültig war, auf 360 £/lgt heraufgesetzt.

Wolle: Die bei den ersten Wollversteigerungen in den britischen Dominions rückläufige Preisbewegung löste auch am Londoner Terminmarkt und in Bradford sowie in New York einen Rückgang der Preise aus, die zum Teil neue Tiefstände erreichten. In Anbetracht der recht günstigen statistischen Position bleibt abzuwarten, ob sich die Notierungen nicht doch über kurz oder lang festigen werden Einem geschätzten Weltwollangebot von rund 2675 Mill. lbs dürfte ein Weltverbrauch von rund 2550 Mill. lbs gegenüberstehen, so daß kein übergroßer Überschuß vorhanden sein dürfte. Im 1. Halbjahr hat sich der Rohwollverbrauch der wichtigsten Verbraucherländer gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um rund 2.6 v H. erhöht. Vor allem die USA und Japan haben einen beachtlichen Mehrverbrauch zu verzeichnen.

Baumwolle Dieser Markt weist nach wie vor sehr wenig Stabilität auf. Die New Yorker Loconotierung war leicht rückläufig. Abgesehen von vorübergehenden Einflüssen wird die Lage auf dem Weltbaumwollmarkt durch die US-amerikanischen Überschußbestände bestimmt. Der US-amerikanische Landwirtschaftsminister schätzt den Überhang per 1. August 1956 auf 10,9 Mill fallen Die Versorgung mit US-Baumwolle in der Saison 1955/56 wird einschließlich einer voraussichtlichen Einfuhr von etwa 150 000 Ballen und einem Überhang von 11,1 Mill. Ballen per 1. August 1955 auf insgesamt 23,9 Mill. Ballen veranschlagt, der ein Abgang (Inlandsverbrauch plus Ausfuhr) in Höhe von 13,0 Mill. Ballen gegenüberstehen dürfte, d. h. 0,6 Mill. Ballen mehr als in der Saison 1954/55.

Kautschuk: Die Kautschuknotierungen wiesen eine leichte Festigung auf. Auf spekulative Käufe und verstärkte Nachfrage aus Übersee tendierte der Singapurer Kautschukmarkt fest. Die New Yorker Loconotierung erreichte Ende der Berichtswoche über 3 s 7 d und damit wieder das Niveau vom 9. August, das beste seit fast vier Jahren.