h. h., München

Seit Oberamtsrichter Dr. Grand, Leiter des Amtsgerichtes Ebersberg bei München, von der Affäre Wind bekommen hat, die ein Eigenheimgewinn im Bayerischen Fußballtoto bei drei seiner Untergebenen ausgelöst hat, ist die Atmosphäre im Gerichtsbereich sehr geladen. Sie wird noch gespannter durch den Streik, den Gerichtsvollzieher Braun getreten ist. Er ist fest entschlossen, erst wieder Zahlungsbefehle zuzustellen, wenn ihm Amtsgerichtsrat Dr. Marquart fünftausend Mark, ein Drittel des Gesamtgewinnes, ausbezahlt. Dr. Marquart, Protokollführer Höher und Gerichtsvollzieher Braun galten bis vor kurzem im Schachklub als Freunde. Wöchentlich füllten sie – wie ihr Vorgesetzter glaubt, während der Dienstzeit – einen gemeinsamen Tipschein aus. Während der Amtsgerichtsrat eine Mark bezahlte, steuerten Höher und Braun je fünfzig Pfennig bei. Das Zehner für die Eigenheimprämie zahlten sie im Turnus. Die Sache ging solange glatt, bis sie jetzt einen 15 000-Mark-Gewinn mit dem Eigenheimlos zogen, dabei hatten sie das Glück, daß ihnen die Prämie in bar ausbezahlt wurde. Dr. Marquart, der eine Mark wöchentlich bezahlte, eröffnete somit seinen Freunden, er habe Anspruch auf die Hälfte des Gewinns. Gegen diese Auffassung protestieren Höher und Braun, die der Ansicht sind, daß die Gesamtsumme in drei gleiche Teile zu teilen sei. Inzwischen hat noch ein viertes Mitglied dieser Tipgemeinschaft Einspruch erhoben. Das Wirtstöditerlein, das zu dem Totoquartett zählt, konnte seine Stimme erst jetzt erheben, da es zur Zeit der Gewinnmeldung verreist war. Obwohl es nie einen Groschen für die Eigenheimprämie beigesteuert hatte, sondern sein Glück auf die Tipreihen beschränkte, meldete es nunmehr seine Ansprüche an. In diesem Fall erklärten die drei Herren einstimmig: ihr steht kein Pfennig zu. Was sie jedoch nicht hinderte, die Fehde untereinander weiterzuführen, bis jetzt der Oberamtsrichter davon erfuhr, der zu allem Unglück die Ansicht vertrat, der Tipschein sei während der Dienststunden ausgefüllt worden.