Natürlich ist die Sache nicht neu, auch wenn sie heute eine Hochkonjunktur erlebt, sie ist sogar uralt. Allerdings: Federball, wie wir ihn spielen, hat nur noch wenig mit jenem Spiel gemein, das schon die alten Tolteken pflegten, die als ältestes Kulturvolk auf amerikanischem Boden gelten. An ihren religiösen Festtagen schleuderten sie einander mit derben Lederschlägern kleine bunte Kautschukbälle zu, die sehr elastisch waren. Offenbar kam es darauf an, den Ball, Bato genannt, durch ein winziges, in einem Stein befindliches Loch zu treiben. Die Spieler waren mit bunten Federn geschmückt: jetzt ist es der Ball, der Federchen trägt.

Es wird niemals herauszufinden sein, wie das Spiel ausgerechnet in Indien wieder auftauchte. Tatsache ist, daß es dort mit Vorliebe von britischen Beamten und Offizieren gespielt wurde, die es dann auch im Heimatland weiter pflegten. Es heißt, daß es auf europäischem Boden zuerst in Badminton, einem kleinen englischen Städtchen gespielt wurde, nach dem es dann auch seinen Namen erhielt.

Zu uns kam es, etwa gleichzeitig mit dem Fing Pong (heute sportlich Tischtennis genannt), kurz vor der Jahrhundertwende aus England als ein kindliches Unterhaltungsspiel. Und genau wie Ping-Pong blieb „Badminton“ in Deutschland jahrzehntelang ein reines Kinderspiel. Erst seht sehr spät wurde es auch als Sport entdeckt; was verwunderlich erscheint, da es ja in England und dann ganz besonders aber in Nordamerika schon seit langen Zeiten rein sportlich betrieben wird.

Gegenwärtig scheint sich ein großer Wandel an zubahnen. Wenn die Zeichen dieses selten schönen Sonnen-Sommers in Norddeutschland nicht trügen, erleben wir genau das gleiche wie mit dem Ping-Pong –: es kann ein echtes Sportspiel weitester Kreise werden. Schon reden besorgte Eltern von einer „Federball-Epidemie“. Auf mit Billigen Camping- und Spielplätzen, ja, in den Straßen und auf vielen Höfen begegnet man dem Federballspiel. Und wenn der Deutsche Badminton-Verband, dessen Klubs vorläufig noch hauptsächlich in Westdeutschland sitzen (in Bonn wurden im Vorjahr schon Internationale Meister-, schaften ausgetragen und gegen die Schweiz auch schon ein Länderkampf gewonnen), tüchtig ist, kann er aus der Begeisterung dieses Sommers für das Federballspiel Nutzen ziehen und eine Entwicklung ähnlich der beim Tischtennis vor etwa dreißig Jahren herbeiführen.

Wer einmal die jungen Kadetten der berühmten USA-Marine-Akademie von Annapolis in einem Badminton-Turnier beobachtet hat, weiß, daß dieses Spiel nicht nur ein Training für den Körper, sondern auch für den Geist ist. Es kommt auf Kraft und auf Schnelligkeit an, aber ebensosehr „aufs Köpchen“. Der resolute Angreifer, der schnellere Läufer, der aber zu jeder Zeit und besonders in der größten Hitze des Gefechtes rissen muß, wohin er den kleinen, leichten, mit etwa 14 bis 16 Federn versehenen Korkball zu schleudern hat, so daß der Gegner ihn nicht erreichen kann, wird Sieger sein. Federball gilt hinter dem gegen eine senkrechte Wand gespielten Squash-Racket als das zweitschnellste Ballspiel überhaupt. Tennis kann in dieser Hinsicht einfach nicht mithalten, denn beim Federball ist das Spielfeld zwar viel kleiner und bietet weniger Raum zum Herumlaufen, aber die Körper- und besonders die Armarbeit ist viel härter. Es ist ein Spiel mit Schwierigkeiten, weil der Ball infolge seines Federkleides oftmals die unmöglichsten Flugbahnen einschlägt. Übrigens: Für Tennisspieler dürfte Badminton in den Wintermonaten ein ausgezeichnetes Mittel sein, sich körperlich und konditionsmäßig auf der Höhe zu halten. Walther F. Kleffel