Adenauer in Moskau: Bei den Verhandlungen Adenauers mit den Leitern der Sowjetpolitik prallten die Ansichten besonders in der Kriegsgefangenenfrage heftig aufeinander. Bulganin sprach von „Kriegsverbrechern“ statt von Kriegsgefangenen. Adenauer bemerkte: „Nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee ist auch in Deutschland Entsetzliches geschehen.“ Chruschtschow erblickte hierin eine Beleidigung der Roten Armee. Die Konferenz schien gescheitert, noch ehe sie recht begonnen hatte. Ein sowjetisches Einlenken in letzter Stunde, um die Konferenz vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren, war dennoch zu vermuten, weil Moskau viel daran liegt, die gegenwärtige weltpolitische Schönwetterstimmung nicht zu verderben. Daher Bulganins Banketf-Trinkspruch: „Geduld wird alle Wege ebnen“ und daher die Fortsetzung der Vorbereitungen zur Entlassung einiger tausend Kriegsgefangener.

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Zypern und die NATO. Der griechisch-türkische Gegensatz hat die Londoner Zypern-Konferenz zum Scheitern gebracht. Die Gegensätze zwischen Athen und Ankara entluden sich in einem von Griechen verübten Sprengstoffattentat gegen das türkische Konsulat in Saloniki und unmittelbar darauf in schweren anti-griechischen Ausschreitungen in Istanbul und Izmir. Der türkische Außenminister Zorlu erklärte, die Ausschreitungen seien eine Folge „unvernünftiger griechischer Forderungen“ auf der Zypern-Konferenz. Griechenlands Beteiligung an den NATO-Manövern im östlichen Mittelmeer am 22. September ist zweifelhaft. Es wird große Anstrengungen kosten, die türkischgriechische Freundschaft, einen der Pfeiler der NATO, vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren.

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Palästina: Israel hat den Dullesschen Vorschlag einer Garantie der jetzigen nahöstlichen Grenzen grundsätzlich angenommen. Die arabischen Staaten haben ihrer Drohung, die jetzigen Grenzen Palästinas gewaltsam zu ändern, vorläufig keine Gewalthandlungen folgen lassen. An der Gazafront herrschte Ruhe. Der Chef der Waffenstillstandskommission, General Burnshat die Errichtung eines Stacheldrahtzauns längs der jetzigen Demarkationslinie vorgeschlagen. Eine gewisse ernüchternde Wirkung hatte das sowjetische Watfenangebot an die arabischen Staaten; zeigte es doch allen Beteiligten deutlich die Gefährlichkeit der Situation.

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Arbeitslose – Flüchtlinge: Die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik hat mit 512 353 als beschäftigungslos Gemeldeten ihren niedrigsten Stand seit Kriegsende erreicht. Im vorigen Herbst gab es noch rund 820 000 Arbeitslose, – Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ostzone erreichte im August mit 25 000 einen neuen Rekord. Insgesamt flüchteten seit 1950 1,5 Millionen Menschen aus der Ostzone nach dem Westen.