Als sich im Jahre 1951 acht deutsche Museumsleiter in dem Wunsch vereinigten, die damals begonnene Neubelebung der farbigen Graphik in Deutschland noch weiter zu steigern, hatten sie nicht damit gerechnet, daß der Weg, den sie einschlugen, zu einer ständigen Einrichtung werden könnte. Da ihnen keine ausreichenden Mittel für Preise zur Verfügung standen, stellten sie lediglich in Aussicht, daß die von einer Jury ausgewählten Blätter zunächst in acht Museen oder Kunstvereinen ausgestellt würden.

Das Ergebnis ihrer Ausschreibung war überraschend: 225 Künstler sandten 1200 Arbeiten, aus denen die Jury 125 Blätter von 56 Künstlern zusammenstellte. Bei der Wiederholung im Jahre 1953 wurden aus 1400 Blättern von 297 Künstlern 117 Arbeiten von 72 Graphikern aufgenommen. Die Ausstellung ging in 36 deutsche Städte, außerdem nach Luzern, Bern und in drei südamerikanische Städte.

Inzwischen hat sich bei der dritten Ausschreibung die Zahl der Einsender auf 317 erhöht, von denen 71 mit insgesamt 113 Arbeiten jetzt fast gleichzeitig in den Museen und Kunstvereinen von 39 deutschen Städten ausgestellt werden. Wie Professor Alfred Hentzen, der Verfasser des Katalogs der von der Kestner-Gesellschaft Hannover organisierten Ausstellungen, sagt, sollen diese „die Kunst ins Leben tragen und neue Verbindungen zwischen Künstler und Kunstfreunde herstellen“. Dabei leistet die Jury nur sichtende Vorarbeit; der eigentliche Richter ist das Publikum selbst, das seine Zustimmung oder Abneigung in seinen Ankäufen bekundet. Die Möglichkeit, Originalgraphik zu Preisen zu erwerben, die mitunter niedriger liegen als die für mechanische Farbreproduktionen, wird von vielen Sammlern, und nicht nur denen mit beschränkten Mitteln, begrüßt.

Daß die Ausschreibung sich an alle deutschen Künstler richtete, hat bewirkt, daß nicht nur bekannte Namen, die man heute beinahe in jeder repräsentativen Ausstellung findet, vertreten sind, sondern eine Fülle weniger oder kaum bekannter. Gerade diese steuerten oftmals erregende Arbeiten bei. So der 1913 geborene Autodidakt Fritz Graßhoff (Celle), der es zu einem Meister auf dem Gebiet der Farblithographie mit mehreren Platten gebracht hat. Die plastische Wirkung vor flächigem Hintergrund erreicht er durch sublime Tönung. Mit kräftigem Farbholzschnitt weist sich die einstige Beckmann-Schülerin Inge Hergenhahn-Dinand (Niederstein/Rhein) aus. Unter den Farbradierungen – eine Technik, deren sich viele der Aussteller bedienen – scheint das Blatt „Pflug“ von Franz Ruf fing (Düsseldorf-Büderich) ein gutes Beispiel für die nahezu unbegrenzte Ausdrucksstärke dieser im Grunde zarten Technik. Metalldrucke (Rolf Nesch), Linolschnitte von drei und vier Platten (Conrad Westpfahl), Gerbdrucke, Serigraphien anderer, ergänzen die reichen Wirkungsmöglichkeiten der modernen farbigen Graphik.

Motivisch herrscht das Gegenständliche in dieser Ausstellung vor, doch ist auch gegenstandslose Kunst vertreten. Die starke Abstraktion, zu der die Eigenart der graphischen Techniken an sich zwingt, kommt der Klarheit der Aussage bei jeder der beiden Kunstarten zugute. C. O. F.