Im Bereich der Bundesrepublik werden täglich rund 10 000 Güterwagen von der Wirtschaft nicht rechtzeitig be- oder entladen. Diese Verzögerung hat zur Folge, daß die Waggons ihrer eigentlichen Aufgabe unverantwortlich lange vorenthalten werden und es allein aus diesen Gründen zu empfindlichen Schwierigkeiten in der Bereitstellung von Güterwagen kommt.

In einer kürzlich vorgenommenen Untersuchung über den Wagenumlauf bei der Deutschen Bundesbahn konnte festgestellt werden, daß durch die reine Be- und Entladezeit über ein Viertel der tatsächlichen Gesamtumlaufzeit eines Güterwagens in Anspruch genommen wird. Das ist fast ein voller Tag. Hieraus ergibt sich, in welch hohem Maße die Wirtschaft die Leistung mitbestimmt, die die Bundesbahn mit den vorhandenen Güterwagen erreichen kann. Kritiker der Bahn werden natürlich die Forderung nach einer Vermehrung der Güterwagen durch Neubauten aufstellen. Leider ist dieser Ausweg das durchaus teuerste Mittel. Erheblich rationeller und produktiver würde sich eine Umlaufbeschleunigung auswirken. Die Bundesbahn hat dazu folgende Rechnung aufgestellt: würde die Umlaufzeit des etwa 220 000 Wagen umfassenden Waggonparks, die von Beladung zu Beladung im Jahresdurchschnitt 4,3 Tage beträgt, durch aktive Mithilfe der Wirtschaft auf 4,1 Tage herabgesetzt werden, so könnten täglich statt 51162 Wagen rund 2500 Wagen mehr gestellt werden. Wenn man dieses gleiche Ziel durch Neubauten erreichen möchte, müßte die Bundesbahn hierfür über 10 000 Waggons mit einem Kapitalaufwand von rund 190 Mill. DM beschaffen.

Die Gütertransportexperten der Bundesbahn; haben festgestellt, daß die Laderückstände im Bereich der Grundstoffindustrie gegenüber den übrigen Industrien, dem Handel und auch der Landwirtschaft erheblich stärker zugenommen haben. Allein schon aus Kostengründen sollte die verladende Wirtschaft alles daransetzen, Ladungsrückstände zu vermeiden. Einmal entgeht der Bundesbahn mit jedem stillstehenden Wagen eine Einnahme, die je Beladung auf rund 180 DM geschätzt werden muß, zum anderen erhöhen sich die Unkosten der Wirtschaft durch den Stillstand der Waggons in überflüssiger und durchaus vermeidbarer Weise.

Wenn der sich schon jetzt stark abzeichnende Herbstverkehr reibungslos abgewickelt werden soll, kann der in dieser Jahreszeit auftretende echte Waggonmangel nur durch ein besonders diszipliniertes Verhalten der Wirtschaft weitgehend behoben werden. Es muß zum Grundsatz werden – und dies nicht nur in den Zeiten des Spitzenverkehrs –, daß Güterwagen (weil zu kostspielig) kein geeigneter Lagerraum sind. Sollte sich diese Einsicht nicht durchsetzen können? ww