DIE ZEIT

Ein harter Kampf in Moskau

Dieser Staatsbesuch wird als eines der eigenartigsten diplomatischen Ereignisse in die Geschichte eingehen: Der deutsche Bundeskanzler begab sich mit zwei Sonderflugzeugen und einem Sonderzug, also mit großem Aufgebot, jedoch ohne festes Programm, in die Metropole der östlichen Welt, zu der keinerlei Beziehungen bestehen.

Der Vorrang der Politik

Zum Moskauer Verhandlungsprogramm gehören auch wirtschaftliche Fragen. Mancher Leser wird sich vielleicht fragen, warum unter diesen Umständen die Industrie nicht durch Sachverständige in der Delegation vertreten ist.

Das Pankower Echo grollt

Adenauer“ erging, wurde die Pankow er Presse von einer spürbaren Unsicherheit befallen. Natürlich mußte der überraschende Schritt der Sowjetunion die spontane Zustimmung ihres Ostberliner Satelliten verlangen, das war klar.

Kommender Saarpräsident

Ohne die Aspirationen Frankreichs gibe es keine Saarfrage. Aber immer wieder strecken die Franzosen ihre Hand nach uns aus. Heute mißbrauchen sie den Europa-Gedanken (den sie im übrigen mit der EVG zynisch begruben), um uns durch das Zusammenwirken französischer Annexionisten und saarländischen Separatisten von Deutschland loszureißen.

ZEITSPIEGEL

Im Jahre 1954 besuchten die Sowjetunion: 1505 Polen, 814 Schweden, 772 Chinesen, 760 Finnen, 449 Franzosen, 298 Engländer, 41 Kanadier, 27 West- und 814 Ostdeutsche sowie 11 Amerikaner.

Bumerang

In Australien, der Heimat der Bumerangs, probierte die Marine kürzlich einen neuen Torpedotyp aus. Das Geschoß hat eine akustische Steuerung, die sich an laufende Schiffsschrauben heranpirscht.

Zwischen ja und nein

Der saarländische Finanzminister Professor Dr. Paul Senf, der am 7. September sein Amt niederlegte, fordert den sofortigen Rücktritt der Regierung Hoffmann.

Zeit ist Blut in Nordafrika

Das Ergebnis der Besprechungen von Madagaskar ist noch kein Entscheid. Vielmehr ist die Entscheidung über das politische Schicksal des abgesetzten Sultans Ben Jussef wieder einmal aufgeschoben worden.

Verstopfte Straßen

Mit der neuen Parlamentssession kommen auf den Bundestag die alten Verkehrsprobleme zu. Zwar hat der Bundestag mit dem Verkehrsfinanzgesetz eine Teillösung geschaffen, aber eine für die Dauer ausreichende Regelung steht noch aus.

Die Fanfaren des Beamtenbundes

Der Hauptvorstand des Deutschen Beamtenbundes forderte auf seiner Arbeitssitzung in Wiesbaden eine zwanzigprozentige Erhöhung der Beamtengehälter und billigte den Abbruch der Beratungen über den Referentenentwurf zum Bundesbesoldungsgesetz.

Nachklänge einer Afrikafahrt

Die Afrikareise unseres Bundestagspräsidenten war schon vor ihrem Beginn mancher Kritik ausgesetzt. Beispielsweise hielt man den Zeitpunkt für nicht recht glücklich gewählt.

Die „Lohn-Lohn-Spirale“

Im vorigen Jahr hatte es eine leidenschaftliche Auseinandersetzung über die deutsche Wiederaufrüstung gegeben, die die Teilnehmer von ihren eigenen Sorgen ablenkte.

Die Verantwortung der Generale

Mit der Kundgebung Einsteins, in der er kurz vor seinem Tode die Atombombe verurteilte, und mit dem warnenden Aufruf der deutschen Physiker zur Genfer Konferenz seien die Wissenschaftler in die politische Mitverantwortung eingetreten, schreibt Erich Kuby in der Süddeutschen Zeitung „Die Gefahr ist erkannt, welche darin liegt, daß die Physiker Aufträge der Macht entgegennehmen, ohne über die Konsequenzen selbst zu befinden und die Aufträge gegebenenfalls abzulehnen.

Entgleisung

Was hätten die Leser 1947 zu folgender Zeitungsnotiz gesagt: „Auf Gleis drei verließ der Zug nach Munich, unserem München, den Bahnsteig“? Sie hätten sich wohl gesagt, diese Entgleisung sei nur so zu erklären, daß der betreffende Journalist direkt aus einem angelsächsischen job in eine von der Entnazifizierung besonders schwer betroffene Redaktion gelangt sein müsse.

Maecenas 1955

Wir wollen unsere Reverenz erweisen einer Kulturstadt wie Aachen“ ; aus diesem Grunde versammelten sich mehr als 300 deutsche Industrielle in jenem Rathaus und dem alten Dom, wo jahrhundertelang Deutschlands Kaiser und Könige gekrönt worden sind.

Eine deutsche Dichterin

Der Erfolg der Werke von Ina Seidel, ein Erfolg, der nicht nur in die Tiefe geht, sondern durchaus auch in die Breite, gehört zu den ebenso erfreulichen wie letztlich unerklärlichen Erscheinungen unserer literarischen Gegenwart.

Merkwürdige Historie eines Koffers

Vor kurzem wurde Otto Groha, den die verstorbene Kronprinzessin Cecilie von Preußen zum Hofrat ernannt hatte, vom Landgericht in Stuttgart über den Nachlaß der Prinzessin, über den ein Rechtsstreit ausgebrochen ist, vernommen.

Farbige Graphik 1955

Als sich im Jahre 1951 acht deutsche Museumsleiter in dem Wunsch vereinigten, die damals begonnene Neubelebung der farbigen Graphik in Deutschland noch weiter zu steigern, hatten sie nicht damit gerechnet, daß der Weg, den sie einschlugen, zu einer ständigen Einrichtung werden könnte.

Victor Gollancz das große Beispiel

Durch die dunklen Jahre der Abrechnung nach der bedingungslosen Kapitulation leuchtet der Name Victor Gollancz wie der biblische Regenbogen: ein Zeichen der Versöhnung und der Vergebung.

Max Brod:: Werfels böse Zunge

Seine Erinnerungen an Prag beschließt unser Autor Max Brod heute mit einem nochmaligen Rückblick auf jenen Dichter, der ihm von allen, die er kannte, sicher einer der liebsten war: Franz Werfel.

Angst und Hoffnung

Von seiner fünften Weltreise kehrte der vielgelesene österreichische Journalist mit „Frontberichten der Gegenwart“ zurück, bei denen man schon nach den ersten Seiten spürt, daß sie zu dem Besten gehören, was heutzutage an aktuellen Reiseberichten gedruckt wird.

Max Beckmanns Tagebücher

Max Beckmann war 53 Jahre alt, als er Deutschland 1937 verließ. Er tat das freiwillig, wenn man von freiem Willen reden kann bei jemand, dem die politischen Machthaber das Lehramt an der Frankfurter Kunstschule entzogen hatten und dessen Bilder als „entartete Kunst“ gebrandmarkt wurden.

Niedersachsen: Neue Vorfahren

Als die „bedeutendste vorgeschichtliche Grabung dieses Jahres in Norddeutschland“ wird die Ausgrabung der niedersächsischen Marschen- und Wurtenforscher auf der „Feddersen Wierde“ in der Wesermarsch angesehen, die von Dr.

Bremen: Geprellte Einsicht

Die Bremer Bürgerschaft beschloß im Januar dieses Jahres, über sechs Millionen Quadratmeter in der Mittelsbürener Feldmark westlich von Bremen zu enteignen, um der Klöckner-Werke AG.

Hessen: Und das Kleidergeld?

Das Stadtparlament der hessischen Landeshauptstadt hat einstimmig eine Polizeiverordnung verabschiedet, in der den Taxifahrern eine einheitliche Kleidung vorgeschrieben wird.

Bayern: Zinnsoldaten

Aus Washington kommt die Nachricht, daß die nordamerikanische Regierung beschlossen hat, dem Münchener Deutschen Museum fünfzigtausend Zinnsoldaten zurückzugeben, die 1945 „im Zuge der Ausrottung des deutschen Militarismus“ beschlagnahmt und über den Ozean verfrachtet worden waren.

Auf einen Blick...

Der Preisindex für die Lebenshaltung ist in der Bundesrepublik im August gegenüber dem Vormonat um 0,8 v. H. zurückgegangen.

Güterwagen - kein Lagerraum

Im Bereich der Bundesrepublik werden täglich rund 10 000 Güterwagen von der Wirtschaft nicht rechtzeitig be- oder entladen. Diese Verzögerung hat zur Folge, daß die Waggons ihrer eigentlichen Aufgabe unverantwortlich lange vorenthalten werden und es allein aus diesen Gründen zu empfindlichen Schwierigkeiten in der Bereitstellung von Güterwagen kommt.

Leipzig ist gewachsen

Nach vierjähriger Unterbrechung fand vom 4. bis 9. September die Leipziger Herbstmesse erstmalig wieder als Mustermesse für Konsum- und technische Bedarfsgüter statt.

Lagerhäuser...

Wozu braucht der Bund eigene Lagerhäuser? Und warum müssen diese in eigener Regie betrieben werden? – Diese Fragen wurden neulich an uns gerichtet.

Kölner Messe ohne Kritik

Die Kölner Messepolitik, seit Jahren den Kurs der Fachmessen steuernd, kann einen neuen Erfolg melden: Dr. Tigges, Vorsitzender des Messe- und Ausstellungsausschusses der Deutschen Wirtschaft, erklärte vor wenigen Tagen, daß er für die Wirtschaft keinen Anlaß mehr sehe, früher einmal berechtigt gewesene kritische Anmerkungen über die Ausstattung und die Qualität der Kölner Messebauten vorzubringen.

Warum wurde Mannesmann-Anleihe vertagt?

Am gleichen Tage, da sich der schweizerische Bundesrat das Recht zur Aufnahme von Anleihen auf dem Kapitalmarkt neu verleihen ließ – durch einen Antrag an das Parlament –, ist hier das Scheitern der Verhandlungen zwischen der Mannesmann AG, Düsseldorf, und einem Bankenkonsortium bekanntgeworden.

Rohstofftendenz der Woche

Die Preisentwicklung an den Weltwarenmärkten stand wähder Berichtswoche im Zeichen einer Festigung, und zwar stieg Moody’s Index von Warenpreisen für Stapelgüter (31 12.

Atome für den Frieden

V. Kernspaltung im Dienst der Landwirtschaft, Technik und Industrie – Von der „Atomkonserve“ bis zum Atomkraftwerk

SPORT DER ZEIT: Alles spielt Federball

Natürlich ist die Sache nicht neu, auch wenn sie heute eine Hochkonjunktur erlebt, sie ist sogar uralt. Allerdings: Federball, wie wir ihn spielen, hat nur noch wenig mit jenem Spiel gemein, das schon die alten Tolteken pflegten, die als ältestes Kulturvolk auf amerikanischem Boden gelten.

Funk für Anspruchsvolle: Keine Angst vor heiklen Themen

Vor ein paar Monaten sagte die Weltpresse: „Die Kinderlähmung besiegt!“ Später hieß es: „Dr. Salks Impfstoff umstritten.“ In solchen Fällen pflegt ein großes Schweigen einzusetzen; man fürchtet das „heiße Eisen“.

Am Anfang war das Wort

Die diesjährige „Mostra internationale d’arte cinematografica die 16. Biennale für den künstlerischen Film in Venedig, hat zwar keine revolutionierenden Taten oder auch nur künstlerische Höhepunkte in altbewährten Filmstilen gezeigt, dagegen hat sie einige politische Aufregungen gebracht.

Das Wichtigste der Woche

Adenauer in Moskau: Bei den Verhandlungen Adenauers mit den Leitern der Sowjetpolitik prallten die Ansichten besonders in der Kriegsgefangenenfrage heftig aufeinander.

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