Vor ein paar Monaten sagte die Weltpresse: „Die Kinderlähmung besiegt!“ Später hieß es: „Dr. Salks Impfstoff umstritten.“ In solchen Fällen pflegt ein großes Schweigen einzusetzen; man fürchtet das „heiße Eisen“. Nicht so die Feature-Abteilung des NWDR Hamburg. Ihr Leiter, Rüdiger Proske, hatte sich selbst, mit Mut und Urteilsfähigkeit ausgerüstet, des heiklen Themas angenommen und für seine zur sachlichen Unterrichtung bestimmte Hörfolge „Der Feldzug gegen die Kinderlähmung“ eine ebenso elegante wie sachgerechte Kombination von Gespräch, Diskussion und Mitteilung gefunden. Für jeden aufmerksamen Hörer schälte sich am Ende der dramatisch geführten Erörterung klar heraus, daß weder von „Sieg“ noch von „Streit“ hätte die Rede sein dürfen. Die Viren der Kinderlähmung (die sich kurioserweise in Ländern mit einem besonders hohen Standard der Hygiene besonders wohl zu fühlen scheinen, nämlich in den USA, in Island und in der Schweiz) haben der Forschung und der pharmazeutischen Industrie noch längst nicht ihre sämtlichen Geheimnisse preisgegeben. Das Prinzip, nach dem sowohl Dr. Salk wie das Marburger Behring – Institut Impfstoffe herstellen (durch direkte Immunisierung der Viren selbst), kommt dem Ziel einer totalen Vorbeugung so nahe wie irgend möglich – sofern es nach dem Verlassen der Fabrik zuverlässig, und zwar sowohl an Affen wie auf Kulturen, nachgeprüft wird. Da ungenaue Nachprüfung in den USA schuld am Versagen ganzer Partien des Impfstoffes gewesen war, werden die Prüfungsbestimmungen in Deutschland besonders scharf sein müssen. Sie sollen bald herauskommen, und dann könnte das Marburger Vaccin freigegeben werden. Auch dann aber, das ließ Proskes Hörfolge unmißverständlich erkennen, darf nur von Wahrscheinlichkeit gesprochen werden: höchstwahrscheinlich immunisiert der Impfstoff, höchstwahrscheinlich hat er keine anderweitig nachteiligen Folgen. Zwangsimpfung wird es nicht geben. Die Eltern selbst werden zu entscheiden haben...

Wir werden sehen:

Freitag, 16. September, 20.30 Uhr:

Der Hörspielautor Jürgen Gütt hat sein erstes Fernsehspiel geschrieben, „Eine Handvoll Shilling“, das seinen Humor aus der Dickköpfigkeit irischer Gastwirte gewinnt.

Sonnabend, 17. September, 20 Uhr: Der erste von drei Fernsehfilmen „Abenteuer unter Wasser“, die der berühmte Tiefseeforscher Cousteau mit Spezial-Unterwasserkameras aufgenommen hat.

Wir werden hören:

Donnerstag, 15. September, 21 Uhr vom Südwestfunk: