Wozu braucht der Bund eigene Lagerhäuser? Und warum müssen diese in eigener Regie betrieben werden? – Diese Fragen wurden neulich an uns gerichtet. Als wir daraufhin den Dingen nachgingen, ergab sich folgendes: die früheren reichseigenen Lagerhäuser – jetzt Bundeseigentum – sind an die Gesellschaft für Lagereibetriebe mbH verpachtet. Gesellschafter sind immer noch zwei Stellen, die man nach 1945 zu liquidieren vergessen hat: nämlich die Reichsstelle für Getreide – nicht zu verwechseln mit der Einfuhr- und Vorratsstelle für Getreide! – und die Hauptvereinigung für die Kartoffelwirtschaft. Die Gesellschaft für Lagereibetriebe (früher „Gesellschaft für reichseigene Lagereibetriebe“) hat ihre Lager teils verpachtet, teils betreibt sie das Einlagerungsgeschäft (überwiegend für die Einfuhr- und Vorratsstelle) in eigener Regie. Offenbar ist neuerdings beabsichtigt, die Eigenregie auszudehnen; das würde also bedeuten, daß bestehende Pachtverträge auslaufen oder gekündigt werden. Warum so verfahren wird, ist nicht festzustellen.

Eine Anfrage, die wir an die Einfuhr- und Vorratsstelle gerichtet haben, blieb unbeantwortet. Vom zuständigen Ministerium wurde uns eine recht gewundene Auskunft gegeben. Herr Staatssekretär Sonnemann erwähnt darin nicht, daß der Bundesrechnungshof wie auch der Haushaltsausschuß des Bundestags mehrfach die Empfehlung ausgesprochen haben, man möge die Vorratshaltung (für Getreide – bei Kartoffeln ist vermutlich die Absicht die gleiche) wieder in private Hände geben. Er meint dagegen: die Betreuung des Lagerraums durch die Gesellschaft sei „durchaus zweckmäßig, da der Betrieb der Hallen in einer Hand die Gewähr bietet, daß eine gewisse Menge Lagerraum in Not- und anderen Bedarfsfällen (bei Verknappungserscheinungen, Katastrophen usw.) für die Versorgung der Bevölkerung sofort zur Verfügung steht“. – Dahinter muß man ja wohl ein dickes Fragezeichen setzen. Denn: ganz gleich, ob die Lager (alias „Hallen“) in privater oder in öffentlicher Hand sind – in „Not- und anderen Bedarfsfällen“ kann ja so und so über sie verfügt werden; das wird erforderlichenfalls die Einfuhr- und Vorratsstelle tun; also ist eine weitere „Lenkungsinstanz“ (in Gestalt der Gesellschaft für Lagereibetriebe mbH) durchaus entbehrlich. Noch fadenscheiniger aber ist das weitere Argument für die Beibehaltung des jetzigen Zustandes: daß nämlich die Gesellschaft verpflichtet sei, für den „Bauunterhalt der Anlagen aufzukommen“. Glaubt man etwa im Bundesernährungsministerium, daß ein Privatunternehmer, der eine solche Halle erwirbt, sie verfallen lassen würde? Noch deutlicher aber wird der Selbstzweck der GmbH, wenn Staatssekretär Dr. Sonnemann nun weiter über die Gesellschaft für Lagereibetriebe schreibt; „... ihre Dienstangehörigen, die überwiegend Flüchtlinge sind, sind seit langen Jahren bewährte Fachkräfte auf dem Gebiet der Lebensmitteleinlagerung und standen zum großen Teil bereits im Dienst der Reichsstelle für Getreide.“ – Dazu ist zu sagen: bewährte Fachkräfte finden heute in der Wirtschaft sofort eine Anstellung. Und die Tatsache, daß diese „Dienstangehörigen“ Flüchtlinge sind, besagt doch nichts über die Notwendigkeit, daß die öffentliche Hand sich dergestalt betätigt.

Die Hallen sind seinerzeit im Hinblick auf kriegswirtschaftliche Erfordernisse gebaut worden. Die zu ihrem Betrieb gehörenden politischen Voraussetzungen sind längst fortgefallen. Kann es überhaupt verantwortet werden, ein solches Relikt aus der Zeit Hermann Görings am Leben zu lassen? Da im Zweifelsfalle die öffentliche Hand immer unrentabler und teurer wirtschaftet als die Privatwirtschaft, sollte man schnellstens die von den Alliierten anscheinend vergessene Liquidation durchführen. Man sollte also die Hallen der Privatwirtschaft übergeben, damit endlich die auch vom Ernährungsministerium (in seinem Antwortschreiben) ausdrücklich zugegebenen Verluste aus der Kartoffeleinlagerung aufhören, für die ja keinerlei Notwendigkeit vorhanden ist: die Kartoffelversorgung klappt „auch so“. Wenn aber die Landwirtschaft auf das Einlagern von Kartoffeln Wert legt, so bleibt es ihr unbenommen, das in eigener Regie durchzuführen, anstatt die Kosten dafür auf eine in öffentlicher Regie stehende Gesellschaft abzubürden. G. K.