Napoleon, Blücher und ein Herr Groha

Von Hans Rudolf Berndorff

Vor kurzem wurde Otto Groha, den die verstorbene Kronprinzessin Cecilie von Preußen zum Hofrat ernannt hatte, vom Landgericht in Stuttgart über den Nachlaß der Prinzessin, über den ein Rechtsstreit ausgebrochen ist, vernommen. Etwas Merkwürdiges sagte er aus:

„Im Jahre 1948 oder 1949 hat Graf v. Hardenberg der Kronprinzessin ein Sèvresporzellan, gezeichnet ‚N‘ (Napoleon), bestehend aus vier Tassen, vier Untersätzen, einer Milchkanne, einer Zuckerdose und einer großen Platte, übergeben. Graf Hardenberg hatte das Porzellan aus Berlin mitgebracht. Das Porzellan hatte im Eigentum der Kronprinzessin gestanden. Es war in einem Reiseetui verpackt, das in Leder eingefaßt war. Das Ganze war ziemlich mitgenommen, eine oder zwei Tassen waren kaputt, das Leder war zerrissen. Die Aushändigung des Porzellans erfolgte in Nörten/Hardenberg, dem Wohnsitz des Grafen Hardenberg bei Göttingen ...

... Die Kronprinzessin gab mir den Auftrag zur Reparatur. Ich habe dann inStuttgart auch Fachleute gefunden, die die Tassen beziehungsweise den Kasten in Ordnung brachten. Auf Anordnung der Kronprinzessin habe ich das Service der Kunsthandlung Hagmann und Gref in München 13, Konradstraße 9, zum Kauf angeboten. Die beiden Herren waren mehrmals in Stuttgart und haben mit der Kronprinzessin persönlich verhandelt. Der aus dem Verkauf des Services zu erwartende Erlös wurde mir von der Kronprinzessin zu meiner freien Verfügung zugesagt. Gleichzeitig sagte sie, falls ihr vor Verkauf des Services, etwas passieren sollte, könne ich das Service als Andenken behalten. Sie betonte ausdrücklich, daß es ihr Eigentum sei. Veranschlagt war das Service zu 25 000 Mark.

Eines Tages kamen die Herren Hagmann und Gref zu mir (es war im Herbst 1953 oder Anfang 1954) und erklärten mir, zu dem veranschlagten Preis sei das Service nicht zu verkaufen. Dieses habe nur einen realisierbaren Wert von 6000 bis 7000 Mark.“

Das Wort Cambronnes