Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG. dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Preisentwicklung an den Weltwarenmärkten stand wähder Berichtswoche im Zeichen einer Festigung, und zwar stieg Moody’s Index von Warenpreisen für Stapelgüter (31 12. 1931 = 100) von 407,8 (2. 9 1955) auf 409,5 (9. 9. 1955). Diese Tendenz ist In erster Linie durch das Anziehen der Getreidepreise bedingt. Diese Notierungen stiegen, obwohl mit einem Rekordaufkommen zu rechnen ist. schwächere Tendenz auf, Die Preise von vier der notierten Waren waren konstant.

Getreide: Während der Berichtswoche verzeichneten die nordamerikanischen Getreidemärkte eine Preisfestigung. Dies gilt sowohl für die vorderen Sichten an der Chikagoer Getreidebörse als auch für die New Yorker Loconotierungen. Die Hauptursache für diese Preisentwicklung waren geringere Zufuhren zu den Verladeplätzen. – Der kanadische Weizenexportpreis für Northern Manitoba Nr. 1 wurde um 1 ct auf 175 c/bu gesenkt, nachdem er monatelang auf 176 c/bu konstant war. – Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums, Ist mit einem Rekordaufkommen an Weizen in der Welt zu rechnen. Während das US-Aufkommen etwa 7 v. H. geringer sein wird als 1954, erwartet Kanada eine wesentlich größere Ernte als im Vorjahr. Auch die asiatische Weizenernte und ebenfalls diejenige der Sowjetunion sollen größer sein als im Vorjahr. Auf dem Gebiet des Weltweizenexports haben die USA mit einem Export von Wellen und Weizenmehl in Höhe von 275 Mill. bu in dem am 31. 7. 1955 beendeten Erntejahr wieder die erste Stelle unter den Weltexporteuren eingenommen und Kanada auf den zweiten Platz verdrängt. Die Getreideexporte Kanadas waren Im! abgelaufenen Wirtschaftsjahr niedriger als im Vorjahr. Kanada exportierte 1954/55 (Vorjahrszahlen In Klammen): 251,8 (255,1) Mill. bu Weizen und Weizenmehl, 21,6 (69,6) Mill. bu Hafer, 77.1 (90,1) Mill. bu Gerste, 9,3 (16,8) Mill. bu Roggen.

Kupfer: Die Londoner Notierungen erreichten In den ersten drei Tagen der Berichtswoche neue Höchststände. Für Kassakupfer wurden 402 £/lgt gezählt, und der offizielle Settlement-Preis erreichte 402 1/2 £/lgt. Dreimonatsware erzielte mit 397 1/2 £/lgt gleichfalls einen neuen Höchststand. Im späteren Verlauf der Woche führte die Meldung, daß die Fachvereinigungen der Kupfer verarbeitenden Industrie In den USA die Freigabe von 100 000 t Chilekupfer aus der strategischen Reserve fordern, um dem Materialmangel der verarbeitenden Industrie abzuhelfen, zu einem leichten Rückgang der Notierungen. Hinzu kam, daß zum Wochenschluß infolge der sich ausbreitenden Dockarbeiterstreiks in den USA mit einer US-Nachfrageverringerung zu rechnen ist. Der Markt ist jedoch sehr widerstandsfähig Nachdem nun die Rhodesien Selection Trust Ihren Preis auf 360 £/lgt heraufgesetzt und die bisher gültige zeitliche Garantie von dreißig Tagen aufgehoben hat, zeigt sich, daß der Preisstabilisierungsversuch dieser Gruppe gescheitert ist. Der am 9. Mal von dieser Gruppe festgesetzte Preis von 280 £/lgt ist jetzt um 35 v. H gestiegen.

Zinn: Die Zinn-Notierungen hatten Im allgemeinen einen etwas schwächeren Trend. Auf dem niedrigeren Niveau war die Verarbeiternachfrage In den USA gut In London lag der Markt weitgehend ruhig.

Blei und Zink: Beide Metalle verzeichneten überwiegend eine feste Tendenz. In den USA Ist der Bleiverbrauch im 1 Halbjahr mit 570 942 sht nicht ganz 29 000 sht höher als im 1. Halbjahr 1954 In London war der Bleimarkt bei Im großen und ganzen ruhigen Geschäft gleichfalls durch eine feste Tendenz gekennzeichnet, zu der, wie auch bei Zink, die feste statistische Position und der hohe Verbrauch beitrugen. Außerdem wirkte sich die Erwartung einer eventuellen weiteren Heraufsetzung der US-amerikanischen Notierungen für diese beiden Metalle tendenzstützend aus. Der gegenwärtige US-Zinkpreis entspricht 104 £/lgt und liegt damit etwa 11 bis 12 £ über dem derzeitigen Londoner Niveau. Infolge der Frachtkosten und des US-Importzolls wird diese Preisdifferenz jedoch ausgeglichen, so daß eine Zinkverschiffung von Großbritannien nach den USA noch nicht gewinnbringend ist

Wolle: Obwohl sich auf den Dominion-Auktionen eine festere Tendenz abzeichnete, wiesen die britischen Wollmärkte im Vergleich zur Vorwoche einen schwächeren Preistrend auf. Die Unternehmungslust in London war im großen und ganzen nur gering, und die Erwartung eines größeren Angebots auf den australischen Auktionen in den nächsten Wochen, das zur Verarbeitung In Bradford geeignet ist, verstärkte die Abgabeneigung. Sowohl in Südafrika als auch in Australien wird nicht mit einem wesentlichen Preisrückgang in der laufenden Saison gerechnet. Es wird darauf hingewiesen, daß Angebot und Nachfrage weitgehend ausgeglichen sind und daß sich die Preise wahrscheinlich auf dem niedrigen, aber stabilen Niveau bewegen werden, das Ende der letzten Saison erreicht worden war.