Ausschlaggebend?

Im Jahre 1954 besuchten die Sowjetunion: 1505 Polen, 814 Schweden, 772 Chinesen, 760 Finnen, 449 Franzosen, 298 Engländer, 41 Kanadier, 27 West- und 814 Ostdeutsche sowie 11 Amerikaner. Die Satellitenstaaten, einschließlich Korea und Vietnam, entsandten insgesamt 5573 Besucher, die 54 übrigen Staaten und Kolonialgebiete insgesamt 3996. Die Moskauer Zeitschrift Literaturnaja Gazetta, welche die Zahlen veröffentlicht, findet sie „ausschlaggebend“ für die Beurteilung der Beziehungen der Nationen zur Sowjetunion.

Die Fehlleistung

Der ehemalige Generalfeldmarschall Friedrich Paulus schreibt in der letzten Ausgabe des Gesprächs – einem kommunistisch inspirierten „Rundbrief der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Soldaten“ zum Thema des Warschauer Paktes: „Um aber in Europa die politischen Fronten nicht einfrieren zu lassen, haben die vertragsschließenden Mächte ausdrücklich festgelegt, daß dieser Vertrag am Tage des Inkrafttretens eines gesamteuropäischen Sicherheitspaktes seine Gleichgültigkeit verliert.“

Kein Geheimnis mehr

Mehrere ausländische Diplomaten, darunter der amerikanische Botschafter Charles E. Bohlen, haben erstmals die friedlichen Zwecken dienende sowjetische 5000-KW Atomanlage besichtigt. Diese Anlage liegt 106 km westlich von Moskau an der Bahnlinie nach Brest Litowsk, in der Nähe der Kleinstadt Obrinskoje. Bisher war ihre geographische Lage ein streng gehütetes Geheimnis, obwohl die Sowjets den Westen bereits auf der Genfer Atomkonferenz mit den wichtigsten technischen Einzelheiten der Anlage vertraut gemacht hat. Premierminister Nehru, der sie während seines Rußlandbesuchs ebenfalls besichtigte, hatte sich damals zu strengstem Stillschweigen verpflichten müssen. Diese Bedingung wurden den westlichen Diplomaten jedoch nicht mehr gestellt.

Thronerbe oder Steuererhöhung

Wenn der Thronerbe des Fürstentums Monako noch lange auf sich warten läßt, wird er vielleicht keinen Thron mehr vorfinden. Das ist die Meinung vieler Monegassen, die es ihrem Fürsten übelnehmen, daß er sich nicht entschließen kann zu heiraten. Von den 18 Mitgliedern des Nationalrats (der monegassischen Regierung) sind 13 zurückgetreten und haben dadurch eine Staatskrise verursacht. Offiziell richten sich ihre Rücktritte gegen angebliche Eigenmächtigkeiten des Fürsten bei der Besetzung wichtiger Staatsämter. Die tiefer liegende Ursache aber ist die Thronfolgerfrage. Laut Staatsvertrag zwischen Monako und Frankreich verliert das Fürstentum seine Selbständigkeit und wird Teil der französischen Republik, wenn der Fürst ohne Thronerben stirbt. Als Franzosen müßten die Monegassen sehr viel höhere Steuern zahlen, eine Aussicht, die sie durchaus nicht entzückt.