h. h., München

Aus Washington kommt die Nachricht, daß die nordamerikanische Regierung beschlossen hat, dem Münchener Deutschen Museum fünfzigtausend Zinnsoldaten zurückzugeben, die 1945 „im Zuge der Ausrottung des deutschen Militarismus“ beschlagnahmt und über den Ozean verfrachtet worden waren. Die Münchner sind den Amerikanern dafür dankbar. Nicht, weil sie die Zinnsoldaten als Symbol ihres unausrottbaren Wehrwillens betrachten, sondern weil sie kulturhistorisch bedeutsam sind. Der gute Wille der Amerikaner ist da. Leider sind aber nur 423 Zinnsoldaten greifbar. Sie gelangten in der Nationalgalerie in Washington zur Aufstellung und bildeten dort jahrelang einen Hauptanziehungspunkt für die Besucher. Das Gros ist verschollen. Man will es suchen und dann ebenfalls in die Heimat entlassen.

In der Dachau sollen die Russen im Anfangsstadium der Besetzung kurzerhand jeden männlichen Bewohner in der Annahme eingesperrt haben, es handle sich um einen General. Schuld daran trug die übliche Landestracht, eine Art von grauem Uniformrock mit grünen Aufschlägen und reiten grünen Streifen an den Hosen. Was die Zinnsoldaten anbelangt, so möchten wir annehmen, daß die Nordamerikaner sie weniger aus Furcht vor dem deutschen Militarismus solange zurückgehalten haben, als vielmehr aus Liebe zur deutschen Romantik. Bunte Uniformen, Schläger und Mensuren, Volkstrachten, Jodeln und ähnliches sind nun einmal ihre Schwäche. Potsdam und Heidelberg waren seit jeher Anziehungspunkte und Ziele ihrer Reiselust.

Wenn also die deutschen Zinnsoldaten bis auf einen Rest abhanden gekommen sind, sollten wir davon nicht viel Wesens machen, sondern sie als Zeichen echter Freundschaft den Amerikanern ruhig als Andenken überlassen, gerade weil sie einen ideellen Wert haben.