Erhards Preissenkungsaktion hat die volle Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände gefunden. Unter der Voraussetzung, daß die Maßnahmen den Verbrauchern zugute kommen, setzten sich die Verbraucherverbände vor allem für eine Zollbzw. Umsatzsteuersenkung ein, die sie als besonders wirksam bezeichnen. Auch die Gewerkschaften sind bereit, den Bundeswirtschaftsminister bei seinen Bemühungen vollzu unterstützen. Allerdings machen sie einen Vorbehalt: sie wollen auf dem Gebiet der Löhne und Gehälter nicht einer Politik Vorschub leisten, die vorläufig noch als „Wechsel auf die Zukunft“ angesehen werden müsse.

*

Bei der westdeutschen Börsenkundschaft verfehlten die anhaltenden Warnungen vor inflationistischen Entwicklungen nicht ihre Wirkung. Die Folge ist jetzt eine Belebung des Goldmünzenhandels. Die vermehrte Kopfneigung ergab sogar einen leichten Preisanstieg. Leider war damit auch eine Zunahme des noch immer nicht zugelassenen grenzüberschreitenden Handels mit Goldmünzen – vor allem aus Frankreich – verbunden.

*

Das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen ist im Bundesgebiet je Arbeitnehmer von 159 RM in 1938 auf 326 DM im ersten Vierteljahr 1955 gestiegen. Obwohl der Preisindex für die Lebenshaltung in der gleichen Zeit von 100 auf 172 anzog, liegt das Monatseinkommen damit erfreulicherweise etwa ein Viertel höher als vor dem Kriege. Vom ersten Vierteljahr 1954 bis zum ersten Vierteljahr 1955 hat es um 6 v. H. zugenommen.

*

Wie positiv sich Verbrauchssteuersenkungen auf den Konsum auswirken, haben – ganz im Gegensatz zu den Befürchtungen des Bundesfinanzministers – die Umsatzsteigerungen beim Tabak, beim Kaffee und auch beim Schaumwein gezeigt. Die gleiche Tendenz ist beim Tee zu beobachten: nach der am 1. September 1953 erfolgten Senkung der Tee-Verbrauchssteuer hat der Teekonsum in der Bundesrepublik ständig zugenommen. In unmittelbarem Zusammenhang damit steht die Steigerung der Tee-Einfuhren. Wir haben im ersten Halbjahr 1955 rund 2513 t Tee eingeführt.

Der jetzige Zinssatz für Hypothekengelder – er liegt von 6 1/4 bis 6 3/4 v. H. – wird in diesem Jahr wohl keine wesentliche Veränderung mehr erfahren. Die Ursache liegt einmal in den Bemühungen um die Stabilisierung des Geldmarktes und zum anderen in dem Auslaufen der Umschuldungsmöglichkeiten für Althypotheken nach dem Lastenausgleichsgesetz bis zum Jahresende 1955. Solange dieser Termin nicht überschritten und damit eine bessere Verzinsung durch Umschuldung gegeben ist, werden die Hypothekeninstitute in der Frage einer Zinssatzermäßigung kaum ein weiteres Entgegenkommen zeigen können.