Moskau–Bonn: Adenauers Moskaubesuch endete für viele überraschend: Bulganin verzichtete auf die Hinzuziehung der DDR zu den Verhandlungen über die Gefangenenfreigabe und Adenauer stimmte der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu, ohne auf einem „Fahrplan für die Wiedervereinigung“ zu bestehen. In den Fragen deutsche Ostgrenze und gesamtdeutsche Legitimation blieb jede Partei bei ihrem Standpunkt. Außenminister von Brentano erklärte in Born, die Aufnahme normaler diplomatischer Beziehingen bedeute nicht, daß die Beziehungen zwschen Bonn und Moskau normal seien. Dennoch ist im deutsch-russischen Verhältnis seit dem Adenauerbesuch in Moskau unleugbar eine wichtige Veränderung eingetreten. Bonns bisherige außenpolitische Konzeption: „Verteidigung des Westens“ genügt nicht mehr und bedarf von jetzt an des Zusatzes: „und Verständigung mit dem Osten.“

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Moskau – Pankow: DDR-Ministerpräsident Grotewohl wurde in Moskau mit gleichem Pomp empfangen wie Adenauer. Rund tausend Personen waren zu dem Bankett geladen, auf den die Freundschaft zwischen der UdSSR und der DDR gefeiert wurde. Bulganin, Chruschtschow, Grotewohl und Ulbricht umarmten und küßten sich. Ein Vertrag, welcher die DDR ebenso souverär machen soll wie die Bundesrepublik, ist in Vorbereitung. Letztes Ziel dieser Bemühungen ist die diplomatische Anerkennung Pankows, nicht nur seitens der Westmächte, sondern auch seitens der Bundesregierung. „Wenn Bonn sich weigert – gibt es keine Wiedervereinigung“, erklärte DDR-Vizeministerpräsident Nuschke.

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Moskau – Helsinki: Schon zu Beginn der finnisch-russischen Verhandlungen teilte die Sowjetregierung der von Präsident Paasikivi angeführten finnischen Delegation die erhoffte freudige Botschaft mit, daß Finnland die an die Sowjetunion verpachtete Halbinsel Porkkala zurückerhalten werde.

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Abrüstung: Abrüstung und Sicherheit sind grundsätzlich verschiedene Probleme, betonen Londoner Regierungskreise. England will sowjetischen Versuchen zuvorkommen, die Westmächte mit Hilfe der Abrüstungsverhandlungen in der Frage eines europäischen Sicherheitspaktes unter Druck zu setzen. Washington hat sich bisher nicht so entschieden gegen eine Verquickung der beiden Probleme ausgesprochen. Man will dort zuerst abwarten, ob die Sowjets Eisenhowers Luftüberwachungsplan annehmen. Falls die Abrüstungsverhandlungen tatsächlich, dem Wunsch Moskaus entsprechend, mit Sicherheitsfragen kombiniert würden, müßten die Westmächte für ihre Zusicherung an Bonn, „kein Sicherheitspakt ohne Wiedervereinigung“, eine neue Formel finden.