o. f., Bad Eilsen

Mit einem drohenden Telegramm des Bürgermeisters von Bad Eilsen, Hofmeister, an den damaligen englischen Premier Churchill, daß er, der Bürgermeister selbst, an der Spitze einer Bürgergarde der Stadt gegen eine neue Besetzung durch Truppen der Rheinarmee nach Abzug des Kommandos der Royal Airforce zu Felde ziehen werde, hatte der Kampf um die Freigabe des Bades zu Beginn dieses Jahres seinen Höhepunkt erreicht. Der angekündigte Aufstand fand jedoch nicht statt, da bald danach die RAF abrückte, ohne ihre Quartiere neuen Militärs zu übergeben. Für Hofmeister tauchte damit aber die neue Sorge auf, dem Bundesfinanzminister Schäffer für die Instandsetzung der Gemeinde, die zu den Verfolgten des Dritten Reiches gehört, weil sie schon 1941 für die deutsche Luftwaffe beschlagnahmt wurde, eine recht große Summe aus dem Bundesvermögen abzuringen.

Diese 14 Jahre „Zweckentfremdung“ machen auch dem Besitzer dieses einst stark besuchten Schwefel- und Schlammbades, Fürst Wolrad zu Schaumburg-Lippe, zu schaffen. Als er feststellen mußte, daß ihn die Modernisierung dieses einzigen nichtstaatlichen Bades in Niedersachsen mehr koste, als er aufbringen kann, bot er sein Besitztum zum Preis von sechs Millionen Mark zum Kauf an. Alle Interessenten aber, darunter das Volkswagenwerk Wolfsburg, die Puddingfirma Oetker, der Deutsche Gewerkschaftsbund und Tankerkönig Onassis, wurden von dem Gerücht der Neubeschlagnahme Bad Eilsens und dem offenen Geheimnis, es müßten neben dem Kaufpreis noch zwölf Millionen für die Renovierung der fürstlichen Besitzungen und drei Millionen für die Instandsetzung privater Anlagen veranschlagt werden, vom Kauf abgeschreckt.

Fürst Wolrad hat daher beschlossen, es trotzdem zu versuchen und sich in den scharfen Konkurrenzkampf mit den niedersächsischen Bädern einzulassen. Schon im nächsten Jahr werden sich rheuma-, gicht- und stoffwechselkranke Patienten zu einer Kur im fürstlichen Bad Eilsen anmelden können.