Im Mittelpunkt der Internationalen Kölner Textil- und Bekleidungsmesse (18. bis 20. September), auf der die 724 in- und ausländischen Aussteller bei stabilen Preisen im allgemeinen gute Geschäfte machten, standen u. a. die Fachgespräche über die Anwendungsmöglichkeiten der neuen textilen Chemiefasern „Dralon“ (Farbenfabriken Bayer) und „Diolen“ (Farbwerke Hoechst) in der Verarbeitungspraxis. Der unverkennbaren Skepsis der Bekleidungsindustrie gegenüber einer übereilten Verwendung oder Beimischung dieser Fasern (Dr. Curt Becker, M.-Gladbach: „Wir wollen die mühsam erreichte gute Qualität der deutschen Bekleidungsindustrie nicht gefährden!“) entsprach der Hinweis der Herstellerwerke, man denke nicht daran, die neuen Fasern überstürzt auf den Markt zu bringen. Erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres sei damit zu rechnen, daß die neuen Fasern in größerem Umfange am Markt in Erscheinung treten.

Bemerkenswert war auch die Feststellung eines führenden Kleiderfabrikanten; er betonte, daß er nicht daran interessiert sei, in der Herrenmode (in Köln findet in Verbindung mit der Messe die von 84 Firmen der Herrenoberbekleidungsindustrie beschickte 2. Herrenmodewoche statt) wieder so etwas wie einen in der Qualität zum Ausdruck kommenden „Klassenkampf-Anzug“ zu propagieren. Auch der Arbeiter verlange heute die gute Qualität. Und es sei dem Käufer wie auch dem Hersteller nicht gut zuzumuten, diese gute Qualität durch Experimente zu gefährden.

Daran scheint aber auch niemand ernsthaft zu denken. Wie ein Sprecher der Farbwerke Hoechst erklärte, wolle man die neuen textilen Fasern nur dazu benutzen, um eine optimalere Kombination von Natur- und Chemiefasern zu erreichen. Im übrigen wurde von den Ausstellern das noch nicht in wünschenswertem Umfange geweckte „Herrenmode-Bewußtsein“ in Deutschland beklagt, obgleich die deutsche Herrenoberbekleidungsindustrie nach allgemeinem Urteil wieder den Anschluß an die europäische Herrenmode gefunden habe. Man wolle zwar nicht „kopieren“, jedoch solle die Herrenmode Ausdruck eines „heiteren, zivilen Lebensinhalts“ sein. Dü.