Kürzlich gab der Deutsche Sportbund bekannt, daß nach der letzten Mitglieder-Bestandserhebung fast fünf Millionen Turner und Sportler in der Dachorganisation für die Leibesübungen zusammengeschlossen seien. Der Fußballbund steht mit etwa 1 700 000 Mitgliedern an der Spitze aller Verbände vor den Turnern (1 430 000), den Leichtathleten (422 000) und den Handballern (421 500). Der Tischtennisverband meldet über 200 000, der Schwimmverband über 100 000 Mitglieder, und dann folgen mit 85 000 bis 10 000 Angehörigen die Verbände für Rugby, Kegeln, Segeln, Hockey, Kanu, Athletik, Rudern, Radfahren, Reiten, Tennis und Schießen. Die Fechter, Eissportler, Rollschuhläufer, Basketballspieler, Bob- und Schlittenfahrer beschließen mit einem Mitgliederbestand zwischen 10 000 und 3 000 Männern und Frauen diese Liste.

Diese Zahlen sind nicht sonderlich imponierend. Leider sind nicht einmal zehn v. H. der Bevölkerung, die sich im Sport wirklich betätigen, denn unter den fünf Millionen Turnern und Sportlern sind viele zwei- und dreimal in den Statistiken erfaßt, weil sie nämlich einem „gemischten“ Verein eingehören, der zum Beispiel neben Turnen auch noch Leichtathletik, Handball, Schwimmen oder Fechten betreibt. Tatsächlich sind es nicht fünf sondern nur etwa 3,5 Millionen Mitglieder. Von diesen muß man auch noch die „passiven“ Mitglieder abziehen, die sich früher einmal aktiv betätigt haben, heute aber nur noch Zuschauer sind oder sich in den Führungsgremien und Verwaltungsorganen betätigen.

Wie hoch die Zahl der passiven Mitglieder ist, läßt sich kaum feststellen. Aufschlußreich ist vielleicht ein Blick auf die Mitgliedsliste des Deutschen Fußballbundes. Wenn man die Zahl seiner Mannschaften mit etwa 54 000 veranschlagt, so bedeutet das also rund 600 000 aktive Spieler. Es blieben also 1,1 Millionen „passive“ Mitglieder übrig. Bei den übrigen Sportarten mag es wohl ähnlich sein. Bei den Turnern allerdings sieht es anders aus, weil sie meistens bis ins höchste Alter dem aktiven Turnen treu bleiben.

Außerdem darf man natürlich nicht vergessen, daß sich in manchen Sportarten, vor allem im Skisport und im Schwimmen, bedeutend mehr Menschen betätigen, als die Mitgliedzahlen der zuständigen Verbände angeben. Aber trotz der relativ großen Zahl der „Unorganisierten“ hat die Masse der Bevölkerung Turnen und Sport noch nicht oder doch noch nicht genügend in ihre Lebensform mit einbezogen. Zuschauen ist keine sportliche Lebensform.

Den Deutschen Sportbund sollte das Spiel mit Zahlen nicht zufriedenstellen. Er sollte mehr tun als bisher, um die Zuschauer sportlich zu aktivieren. Der erste Schritt ist und bleibt dabei, die staatlichen und kommunalen Behörden endlich dahin zu bringen, daß alle Gemeinden genügend Raum für sportliche Betätigung zur Verfügung stellen, zumindest die gleichen Forderungen, die am Anfang der zwanziger Jahre dem Reichsausschuß für Leibesübungen in seinem Entwurf für ein Reichsspielplatzgesetz gestellt wurden: drei Quadratmeter Fläche je Kopf der Bevölkerung,

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Was das Internationale Olympische Comité auf seiner letzten Pariser Tagung bewog, die Winterspiele des Jahres 1960 ausgerechnet in das kleine, völlig unbekannte Örtchen Squaw Valley in Kalifornien zu vergeben, das bis zur Stunde auch nicht über eine einzige wintersportliche Kampfbahn verfügt, wird man wohl nie mit Sicherheit herausbekommen.