Für das Jahr 1956 hat man schon jetzt vorsorglich einen Fernsehprogrammbeirat eingesetzt, dessen Leitung Dr. Hans-Joachim Lange in Frankfurt übernehmen soll. Es ist also Grund, zu hoffen, daß sich die ausgedehnten Ferienmonate dieses Juli und August nicht wiederholen, in denen die „Bunten Abende“, die Filmladenhüter und die pompös aufgezogenen „Schnulzen“ – so während der Düsseldorfer Ausstellung – die Zuschauer überrieseln.

Inzwischen ist zur Besserung des Programms eine der (im guten Sinne) attraktivsten, allerdings auch riskantesten Sendereihen wieder aufgenommen worden: die „Gespräche des Monats“, öffentliche Diskussionen über brennende und heikle Themen, die jedermann angehen. Ärzte, Krankenkassenfunktionäre, Versicherte (kurioserweise als „Patienten“ vorgestellt, obwohl sie sichtlich kerngesund waren) und Politiker, wie etwa der frühere Hamburger Gesundheitssenator Schmedemann, stritten sich coram publico anderthalb Stunden lang in durch Ironie gedämpfter Erregung über die Frage, ob das jetzige Kassensystem die relativ beste Lösung für alle Beteiligten ist oder nicht. Der Zuschauer am Fernsehgerät hatte den Vorteil, daß er einmal die Männer, die über seine Beiträge zu verfügen haben, von Angesicht zu Angesicht vor sich sitzen sah. Sie kamen aus ihrer sonstigen Anonymität heraus und erwiesen sich (zum Beispiel der Direktor der Hamburger Ortskrankenkasse) als ganz unbürokratische, humorvolle, kurz: vertrauenswürdige Menschen. Solche Begegnungen haben ihren eigenen Wert, auch wenn die sachlichen Schwierigkeiten ungelöst blieben und nur über einen Punkt Einigkeit bestand: daß in dem heutigen Versicherungssystem alle benachteiligt sind; die Ärzte, weil sie unter ihrer Leistung honoriert werden, die Kassen, weil sie auch die Sozialrentner zu betreuen haben, und die Versicherten, weil sie infolge der gestiegenen Krankheitsanfälligkeit nicht mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden können. Auch das englische System der totalen Verstaatlichung des Gesundheitswesens kam (durch einen englischen Gesprächsteilnehmer) zu Wort, wurde aber als unübertragbar und zudem mit vielen Nachteilen behaftet bald aus der Diskussion wieder ausgeschieden. Am Ende blieb eine große Frage offen: Ob den Versicherten zugemutet werden sollte, daß sie ihre Beiträge etwas stärker als bisher ihrem Ausgabenetat für Zigaretten und Alkohol angleichen. Aber als dies heikelste Thema angeschnitten wurde, war die Sendezeit abgelaufen.

Wir werden sehen:

Dienstag, 27. September, 20 Uhr:

Im Frankfurter Studio wird die deutsche Fassung eines amerikanischen Originalfernsehspiels aufgeführt: „Held in unserer Zeit“ von D. Davidson, die dramatische Episode eines in Korea ausgetauschten Sergeanten, der als Gefangener allen Zumutungen der „psychologischen Kriegsführung“ widerstanden hat, es aber aus guten Gründen ablehnt, als „Held“ und Märtyrer gefeiert zu werden.

Wir werden hören: