Die Gasversorgungsunternehmen sind in den worden. Der Gasbedarf ist in den ersten sieben Monaten des Jahres um 12 v. H gegenüber der Vergleichszeit 1954 gestiegen; die normale Zuwachsrate beträgt dagegen nur 7 v. H. Aber die Kohlenlieferungen der Ruhr haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Nach langen Verhandlungen hat sich die Gemeinschaftsorganisation Kohle (GEORG) vielmehr lediglich bereit erklärt, die gleichen Mengen wie im Vorjahr, nämlich 4 5 Mill t zu liefern. Ein Mehr ist nicht möglich, weil die Zechenkokereien mit voller Kraft für die sehen die Dinge nicht besser aus.

Die Versorgungslücke muß deshalb mit USKohle geschlossen werden. Das bedeutet den Einsatz von 1 5 bis 1 6 Mill t US Kohle in der Gasversorgungswirtschaft, gegenüber knapp einer Mill t in 1954. Da die Tonne US Kohle, je nach Frachtenlage, 25 bis 40 DM mehr als Ruhrkohle kostet, führt die Ausweitung der Gasproduktion zu entsprechenden Erlösminderungen. Gaswerke, die in den vergangenen Jahren ihre Abnehmerpreise nicht ausreichend erhöht haben, kommen nunmehr in die peinliche Lage, zu einer Zeit, in der es keineswegs in die politische Landschaft paßt, ihre Preise heraber werden die Erträgnisse aufgezehrt, die für eine steuerlich privilegierte Selbstfinanzierung (gem § 36 JHG) gedacht war. Hier wird daher die Belastung für den Gasverbrauch später in Erscheinung treten, und zwar dann, wenn an die Stelle von selbsterwirtschaftetem Eigenkapital teures Fremdkapital treten muß. Die Gaswirtschaft fragt deshalb, ob es richtig ist, sie mit ihrer gesetzzusetzen, daß sie finanzielle Zuschüsse zu einer Konjunkturentwicklung zu leisten hat, von der andere Stellen Nutzen haben. Das wäre nicht der Fall, wenn sich die Ruhr zu langfristigen Lieferverträgen mit ständig steigenden Kohlenmengen bereit erklärte, oder wenn den Zechen eine gesetzliche Versorgungspflicht gegenüber den Gasversorgungsunternehmen auferlegt werden würde. Beides ist im Gemeinsamen Markt problematisch und führt nur allzu leicht zu einer supranationalen kann. Die Gaswirtschaft spricht sich deshalb heute mehr für eine unbefristete Liberalisierung der käme dann zu langfristigen Verträgen, weil hieran die US Zechen interessiert sind. Langfristige Bindüngen allein aber ermöglichen Preise, die mit denen an der Ruhr einen Vergleich aushaken. Der deutsche Steinkohlenbergbau wird solchen Überlegungen kaum folgen, weil mit ihrer Realisierung das Konjunkturrisiko dem vollen Umfang nach auf ihn zurückfallen würde. Es war nämlich schon immer so, daß an der Ruhr Mangel und Überfluß an Kohle sich abwechselten. Solche Überlegungen zeigen, daß unsere Kohlewirtschaft nach Wegfall des Syndikats auf ungesicherten Fundamenten steht und daß der deutsche Kohlenbergbau deshalb mit seinen Abnehmern die Grundlagen neu durchdenken muß, da sonst jede Konjunktur sich allzu schnell festläuft —eb