Die Vereinigten Staaten haben ihre Gesandtschaft in Luxemburg in den Rang einer Botschaft erhoben. – Früher, zu einer Zeit, die noch Sinn für Rang und Würde hatte, bedeutete ein Botschafter viel. Er vertrat als Spitze aller diplomatischen Ränge, die der Wiener Kongreß schuf, den Souverän selber, während der Gesandte nur als Repräsentant des Außenministers galt. Nur die wirklichen Großmächte tauschten Botschafter miteinander aus. Zu den acht europäischen Großmächten, die im 19. Jahrhundert Botschafter hatten, traten 1898 die USA nach ihrem Sieg über Spanien, und 1905 nach dem Sieg über Rußland Japan. Nach dem ersten Weltkrieg haben die Alliierten diese Ordnung durchbrochen, als sie dem kleinen Belgien, um es dafür zu entschädigen, daß es an den Entscheidungen der großen Vier auf der Friedenskonferenz nicht teilnahm, Botschafter zugestanden. Südamerikanische Staaten folgten, und mit der Zeit brach eine Inflation diplomatischer Ränge aus. Amerika, das 1939 nur zwanzig Botschafter hatte, hat heute zweiundsiebzig, und auch die Bundesrepublik brach mit der Tradition, indem sie bei allen Staaten, die es wünschen, Vertreter vom höchsten Rang ernennt.

Natürlich werden aus den Kleinen dadurch keine Großmächte; die einzige Folge ist, daß Rang und Bedeutung der Botschafter herabsanken. Ränge und Würden, wahllos zugestanden, werden eben inhaltslos. Zff.