In jüngster Zeit häufen sich in Gesprächen mit Industriellen oder Vertretern der großen Handelshäuser Hinweise auf die immer stärker werdende Konkurrenz auf den Weltmärkten. So sind der Bundesrepublik viele Großaufträge verlorengegangen, wobei sehr oft die langfristigen Zahlungsmodalitäten den Ausschlag zugunsten anderer gegeben hatten. Der Hüttenwerksbau in Kolumbien und in Peru, ein Großauftrag aus Mexiko und ein großer Teil des argentinischen Investitionsprogramms gingen bereits in andere Hände, teils an Frankreich; teils an die USA. Auch Japan tritt neuerdings stärker auf.

Die Zunahme japanischer Investitionen im Ausland bedarf der besonderen Aufmerksamkeit der deutschen Exportwirtschaft. Die Richtung der wirtschaftlichen Expansion Japans geht vor allem in die USA, nach Südostasien und Südamerika. Ausweitungen des Absatzes oder der Wunsch, alte Märkte wiederzugewinnen oder frachtgünstig gelegene Rohstoffquellen zu sichern, sind die Antriebskräfte dieser Expansion. Im Zuge des Aufbaues seines neuen Auslandsnetzes bedient sich Japan, wie aus Gesprächen zu hören war, meist einer der folgenden drei Methoden: Beteiligungen an Handelsfirmen oder eigene Firmengründungen; Beteiligung an Produktionsbetrieben mit Kapital oder mit technischer Hilfe, also Dienstleistungen; Beteiligungen an der Ausbeutung von Rohstoffvorkommen. Dabei hat Japan in letzter Zeit in den USA 39 solcher Beteiligungen, in Südostasien 47 und in Südamerika 8 durchgeführt oder in Vorbereitung.

In Südamerika ist Japan mit seiner Auslandsorganisation noch in vollem Aufbau, In Mexiko wird zur Zeit eine Baumwollwebstuhlfabrikation mit 22 000 Spindeln und 360 Webstühlen japanischer Herkunft errichtet, ferner die Erschließung von Kupferminen im mexikanischen Staate Jalisco geprüft. In Brasilien entsteht eine japanische Fabrik für Füllfederhalter und Tinte. Ferner wollen die Japaner in der Nähe von Pernambuco eine Zementfabrik und in Sao Paulo eine Spinnerei mit 30 000 Spindeln schaffen.

Da die Reparationsverträge zwischen Japan und vielen Ländern Südostasiens japanische Wiedergutmachungsleistungen in Form von Kapitalbeteiligungen und technischen Hilfsverträgen vorsehen, ist in den südostasiatischen Ländern ein rasches Vordringen der japanischen Wirtschaft festzustellen. In Indien stehen Fabrikationen für elektrotechnische Produkte, für Webstühle, für Füllfederhalter und Tinte, für Tafelglas und Fischereierzeugnisse und außerdem der Ausbau der Kupfer- und Zinkgruben in Zawar im Vordergrund. In Burma liegt die Erweiterung der Wasserkraftwerke und der Neubau mehrerer Spinnereien an erster Stelle. Thailand wird mit japanischer Hilfe und japanischem Geld das Zinnbergwerk Cheang-Phra erweitern und mit japanischen Firmen die Kupferminen und sonstigen Bodenschätze ausbeuten. Malaya hat die Japaner zur besseren Erschließung seiner Eisenerzgruben herangeholt; die Philippinen arbeiten mit dem Inselreich in den Kupferminen zusammen; auf Formosa liegen in japanischen Händen Webereien, Farbenfabrikation, Schiffs- und Maschinenbau und die Produktion von Schwachstromelektrotechnik. Mit Hongkong werden Verträge über die technische Hilfe für Fischereibetriebe, für den Ausbau der Eisenerzgruben und Kupferbergwerke Lapulapu abgeschlossen.

In den südostasiatischen Ländern werden allerorts japanische Büros errichtet, die das Mutterland über alle industriellen Planungen im südostasiatischen Raum unterrichten und die die Aufgabe haben, interessante Projekte für die japanische Industrie auszuarbeiten. Rlt.