Auch nachträglich als unverbindlich hingestellte Erklärungen können unangenehme Folgen haben. So hatte kürzlich die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels in Köln, von wißbegierigen Nachrichtenagenturen gedrängt, in einer (etwas ungeschickt formulierten) Erklärung behauptet, im Einzelhandel sei aus Kostengründen für Preissenkungen kein Spielraum vorhanden...

Daß eine derartige Auslassung Aufsehen erregen und herbe Kritik auslösen mußte, war trotz eines zwei Tage später veröffentlichten widerrufenden Nachtrages sicher. An Kritik von außen hat es unter Hinweis auf die schwebenden Preisgespräche in Bonn nicht gefehlt. Aber auch intern mußte sich die Hauptgemeinschaft harte Worte sagen lassen. Der Präsident des Fachverbandes deutscher Eisenwaren- und Hausrathändler, Karl Wirth, Hamburg, benutzte die Internationale Kölner Eisenwaren- und Hausratmesse, um der Hauptgemeinschaft klipp und klar und in aller Öffentlichkeit zu sagen, daß sich keine Gruppe der deutschen Wirtschaft den Bemühungen Erhards, die Preise stabil zu halten, entziehen dürfe.

So „interessant“ dieser für deutsche Verbandsverhältnisse ungewohnte „Wortwechsel“ auch sein mag, wichtiger ist die von den Eisenwarenhändlern an diese Vorgänge geknüpfte praktische Konsequenz: Sie wollen freiwillig ihre Handelsspannen unter dem Gesichtspunkt der Preisstabilität „genauestens überprüfen“; was wohl heißen soll, man wolle eine Verkürzung der Spannen versuchen. Womit – wenn auch der Versuch negativ ausfallen sollte – die an sich unbestrittene Existenzberechtigung von Wirtschaftsverbänden immerhin unterstrichen werden würde. b